Vom Laub-Saugen

Vor vielen Monaten habe ich an dieser Stelle im späten Herbst einmal einen Artikel über das Laub-Kratzen geschrieben.

Über all diese nackten und im Winter ungeschützten Bäume und Gehölze, die sich die kalte Jahreszeit über in den kargen Boden krallen müssen, um sie tapfer zu überstehen und die mich immer wieder rühren.

Heute morgen nun wurde ich durch ein mittlerweile mir gut bekanntes Geräusch geweckt, welches meines Erachtens eine noch schärfere Variante des Laub-Kratzens bedeutet:
Das Laub-Saugen.

Laut Wikipedia ist „ein Laubsauger, analog zum Staubsauger, ein elektrisches, bzw. mit Verbrennungsmotor betriebenes Gartengerät zum Aufsaugen von Laub. Im deutschen Sprachgebiet ist er seit dem Ende der 1990er Jahre verbreitet.“

Ein Laubsauger ist laut und stinkt (nach umweltfreundlichem Diesel?).

Er wird meist von relativ vermummten Personen bedient, die sich zudem (wegen der Lautstärke) durch Ohrenschützer weitestgehend von ihrer Umwelt abgeschottet haben.

Ein Laubsauger kann die Produktivität erhöhen, was eine Reduzierung des Personaleinsatzes und damit der Personalkosten erlaubt.“

Was immer Produktivität in diesem Zusammenhang bedeuten mag und ja, eine Reduzierung der Personalkosten ist ja immer beliebt (besonders auch im gärtnerischen Bereich, in dem zunehmend nicht mehr mit gut ausgebildeten und daher „teureren“ Fachkräften gearbeitet wird). Da investieren / konsumieren wir lieber in Sachmittel, damit ihre Produktion gesteigert werden kann.

Netterweise werden bei Wikipedia auch die Nachteile des Laub-Saugens aufgeführt, welche aber anscheinend nicht schwer genug wiegen, um den vermeintlichen Vorteilen etwas entgegensetzen zu können:

Neben dem erwünschten Effekt des Beseitigens von Laub und kleinen Ästen sind mehrere Nachteile gegenüber der traditionellen Methode des Zusammenrechens mittels eines Laubrechens festzustellen:

  • Kleinstlebewesen werden gleichfalls beseitigt;
  • hohe Geräuschentwicklung, insbesondere für die Umwelt: viele dieser Apparate dürfen nur mit Lärmschutzvorkehrungen (Ohrenschützer) eingesetzt werden;
  • insbesondere bei trockener Witterung wird Staub aufgewirbelt; wird das Gerät als Laubbläser verwendet, wird mit dem Laub somit auch der anhaftende Dreck und Kot aufgewirbelt, der sich als Aerosol in der Umgebungs- und damit auch der Atemluft verteilt;
  • bei Betrieb von Geräten mit Verbrennungsmotor kommt es unter anderem zur Emission von gesundheitsschädlichen Stickoxiden und Kohlenwasserstoffen, die sich in der Umgebung verbreiten.

 

Ein von Laubsaugern bearbeiteter Boden sieht danach dann etwa so aus:

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Dem robusten Efeu ist es noch gelungen, sich trotz starker Winde im Boden festzukrallen, auch ein Brombeertrieb hat – sichtlich ermattet- überlebt. Ahornkeimlige haben sich erst einmal gehalten und ja, am unteren Ende des Bildes erkennt man sogar noch ein kleines gelbes Blümchen.

Große Stellen des Bodens liegen nackt und ungeschützt und sind Wind, Wetter und Erosion ungeschützt ausgeliefert.

Neue Humusbildung?
Unmöglich.
Ein nahezu toter Boden.

Ich gebe es zu : In meinem kleinen Hausgarten in der Stadt habe auch ich lange gebraucht, um mich damit anzufreunden, das Laub liegen zu lassen. Besonders das im Sommer herabfallende und hochgradig durch die Miniermotte kontaminierte Kastanienlaub habe ich brav jahrelang auf den Knien hockend weggekratzt, um meinen Garten zu retten.

Bis zu dem Moment, als endlich die Erkenntnis durchgesickert war, dass ich eigentlich nur noch genau damit in meinem Garten beschäftigt war und wenig Freude und Entspannung verspürte, wenn ich ihn betrat. Nur noch Arbeit und Ärger über das böse Laub.

Wohl war mir schon von Anfang an nicht dabei, den Pflanzen und Kleinlebenwesen im Garten immer ihre Nahrung wegzukratzen.
Und wachsen wollte auch nichts so recht in meinem schön aufgeräumten Garten.

Eine Umkehr war also notwendig.
Laub liegen lassen.
Ausprobieren und Beobachten.

Damit leben lernen, wenn Freunde mich im Frühling besuchen kommen, mein eher noch braunes als grünes Gärtchen etwas (oder kommt es mir nur so vor?) naserümpfend betrachten und fragen: Machst Du das Laub nicht weg?

Das ist eben eine Frage der Ästhetik, meinte einmal eine fachlich versierte Freundin zu mir.
Ja, auch.

Aber irgendwann im Frühjahr (und auf keinen Fall so zeitig, dass sie mit den vielen bunten und fröhlich erscheinenden in Bau- und Gartenmärkten angeboteten Frühjahrsblühern konkurrieren könnten) schieben sich leuchtend grüne Blätter und Blüten durch die braune Laubschicht in meinem Garten.

Ich begrüße sie alle und heiße den einen und anderen Pflanzenfreund willkommen, den ich den Winter über schon (natürlich nur beinahe) vergessen hatte!

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Laub im Garten – auch eine Frage des leben und leben lassen.

Sollen sie doch alle in meinem Garten leben, die sich dort wohl fühlen und dabei helfen, dass etwas in ihm wächst und gedeiht, diese Abermillionen von Kleinstlebenwesen, die uns unseren Boden und damit auch unser Leben schenken.

Und die Ästhetik?

Organisierte Unordnung hat durchaus auch ihren Reiz und ihre Schönheit.

Und übrigens:
Der Kastanie scheint es relativ egal zu sein, ob ich ihr kontaminiertes Laub aufsammele oder nicht.
Es erscheint mir eher so, als wenn sie mittlerweile eigene Wege gefunden hat, mit dem Miniermottenbefall klar zu kommen.
Ich wünsche es ihr!


Frühling im Garten: Neustart und Wiedersehen

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Die ersten Beete sind bestellt und die Vorkulturen gedeihen gut in ihrem Domizil am Fenster der Grünen Bibliothek.

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Derweil ist jedes Frühjahr im Garten auch ein Wiedersehen mit alten Freunden, hier im Kräuterbeet:

A2Zitronenmelisse

A3Liebstöckel

A4Estragon und Thymian

A5Waldmeister und Baldrian

A6Kerbel und Sauer- und Blutampfer

A7und bei uns jedenfalls: Oregano in Hülle und Fülle!

Wir wünschen guten Appetit!


DIY / DIT – aus Alt mach Neu

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Mit der Einrichtung unseres Projektraumes Grüne Bibliothek der Nachbarschaft im Anbau der Stadtbiblitohek Tiergarten geht es – Schrittchen für Schrittchen – aber doch stetig voran.

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Heute haben wir uns unseren alten Bibliotheksstühlen angenommen – einerseits passte das Rot nicht mehr zu unserer neuen Einrichtung, andererseits war es wirklich an der Zeit, dass sich jemand einmal der guten alten Stühle angenommen hat.

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So ging es nach dem Anschleifen ans Neu-Lackieren, auf das zu verwendende Farbspektrum hatten wir uns vorher -und das war auch gut so- schon einmal grob geeinigt.

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Da wir mit Farbpigmenten gearbeitet haben – damit jede von uns ihre individuelle Lieblingsfarbe anmischen konnte – 5 Frauen-5 Stühle – wurde natürlich viel überlegt, diskutiert, gewagt und …

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…entschieden!

 

Derweil zogen die ersten Bücher erste Bücher mit den Medienschwerpunkten (urbane) Gärten, Umweltschutz, nachhaltige Lebensstile, DIY/DIT in unserem Bibliotheksraum ein.

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Der Raum der Grünen Bibliothek der Nachbarschaft im Anbau der Stadtbibliothek Tiergarten, Lützowstr. 27, 10785 Berlin kann während der Öffnungszeiten der Bibliothek – falls er nicht gerade für Workshop-Angebote benutzt wird – zukünftig von allen Bibliotheksnutzern zum gemütlichen  -grünen- Stöbern, Lesen und Arbeiten genutzt werden.

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Gemeinsam mit dem Gemeinschaftsgarten wachsenlassen möchte die Grüne Bibliothek für einen umweltbewussten und ressourcenschonenden Lebenstil sensiblilisieren.

Wer unser bei unserer Arbeit unterstützen möchte, ist herzlich willkommen!

Anfragen unter:

gruenebibliothek@web.de

 

 


Umzug der LeihSämerei

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Seit gestern, den 21. März 2016 befindet sich unsere LeihSämerei nun im Projektraum der Grünen Bibliothek der Nachbarschaft / Gemeinschaftsgarten wachsenlassen.

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Dieser Raum befindet sich im Anbau der Bibliothek, vom Foyer aus links und ist während der Öffnungszeiten der Bibliothek Tiergarten (Mo, Di, Do und Fr von 12.30 – 18.00 Uhr) frei zugänglich.

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Wir wünschen weiterhin viel Spaß beim Saatgut-Austausch!

 


Aussaaten der Vorkulturen

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Auch die Gärtner_innen des Gemeinschaftsgartens wachsenlassen haben in den Räumen der Grünen Bibliothek der Nachbarschaft endlich wieder eine Heimat gefunden und somit den dringend notwendig gewordenen gemeinsamen Raum, um sich zu treffen und/oder Workshops durchzuführen.

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Gestern haben wir dort unsere Vorkulturen ausgesät.

Das gemeinsam bestellte Saatgut war termingerecht eingetroffen und so machten wir uns voller Erwartung an die Arbeit.
Erste Aussaaten – für mich immer wieder ein schöner Tag voller Hoffnung und Erwartung auf das, was da wohl wachsen wird. (Und auch ein Tag, an dem man nicht an die unerklärlichen Ausfälle der letzten Jahre denken möchte – gibt es doch in jedem Gartenjahr unerhoffte Freude und unerwartete Enttäuschung.)

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Übrigens: Auch bei Aussaat – Erde findet sich mittlerweile ein torffreies Angebot, bitte beim Kauf drauf achten!

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/aktionen-und-projekte/torffrei-gaertnern/

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So, und da stehen sie jetzt, unsere kleinen Schätze und Hoffnungsträger!

Wir freuen uns auf ein buntes und ertragreiches Gartenjahr 2016.

Infos über den Gemeinschaftsgarten wachsenlassen unter: wachsenlassen@web.de


Nachbarschaftlicher Bildungsraum in Tiergarten-Süd

Ein erster kleiner gemeinsamer Reparaturarbeiten-Tag in der Grünen Bibliothek …

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…und Bastelvorhaben…

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…und Vorbereitungen zu den ABC-Spielen…

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Mit der Grünen Bibliothek der Nachbarschaft im Verbund mit dem Gemeinschaftsgarten wachsenlassen möchten wir einen Ort der Begegnung, des Austauschs, der Bildung, des bürgerschaftlichen Engagements und der Teilhabe im Stadtteil errichten.
Der thematische Schwerpunkt – auch bei den Angeboten der Sprachförderung – liegt hierbei auf urbanem Gärtnern, Umweltschutz und nachhaltiger Lebensführung.
Ziel ist es, die Lebensqualität im Stadtteil zu verbessern, Menschen zusammenzubringen, neue Ideen zu entwickeln und das Verständnis von Menschen unterschiedlicher Lebenslagen, Herkunft und Erfahrungen zu fördern und zu einem nachhaltigem Lebensstil anzuregen.

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KONTAKT: gruenebibliothek@web.de


Donnerstags in der Grünen Bibliothek: Tipps und Informationen zur Leihsämerei

Seit Mai 2015 ist unsere ‚LeihSämerei’ (Saatgutbibliothek) als Teil der ‚Grünen Bibliothek der Nachbarschaft’- Standort Bibliothek Tiergarten-Süd, Lützowstraße 27, 10785 Berlin Mo, Di, Do, Fr 12.30-18.00 Uhr – geöffnet.

Die LeihSämerei verbindet den benachbarten Gemeinschaftsgarten wachsenlassen, Kluckstraße 11 und die Bibliothek miteinander, und steht allen Interessierten kostenlos zur Verfügung.

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Hier kann Saatgut für den Eigenanbau entnommen, und/oder im eigenen Garten gewonnenes abgegeben, und damit öffentlich zugänglich gemacht werden.

Wir können regionale und samenfeste Sorten unserer Nutz- /Kulturpflanzen (und natürlich auch von ein- und mehrjährigen Zierpflanzen) erhalten, wenn beim Nachbau ein paar Grundregeln eingehalten werden.

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Die Anleitung zur Nutzung der LeihSämerei, sowie Tipps zum Nachbau von Saatgut liegen aus.
Donnerstags ist von 13 -18 Uhr auch fachliche Hilfe vor Ort.

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Das Saatgut ist nach seinen botanischen Namen geordnet, um die Auffindbarkeit zu gewährleisten.
Die bereitstehenden Nachschlagewerke der grünen Bibliothek (Schwerpunkte: alternativer Gartenbau, Ökologie, Ökosophie u.v.m.) helfen weiter, falls der wissenschaftliche Name nicht bekannt ist.

Der Saatgutbestand wird vom Team der grünen Bibliothek betreut, und wir sorgen (soweit es uns möglich ist) für die korrekte Bezeichnung/Nomenklatur und Informationen zu den Pflanzen, sowie Aktualität des Materials.

Ein unabhängiger und nachhaltiger Saatgutkreislauf kann entstehen – hoffentlich bereichert durch viele interessante BIO!-Saatgutspenden!

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Die Nutzung der LeihSämerei ist auch ohne Bibliotheksausweis möglich.

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Text und fachliche Betreuung der Leihsämerei am Donnerstag von 13.00 – 18.00: Julia Westheimer

Anfragen auch unter: gruenebibliothek@web.de


Saatgut von und für Berliner Gärten

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Sicherlich sind viele Gärtner_innen schon wieder in der aktiven Planung für das Gartenjahr 2016 und eifrig am Saatgut sortieren und auswählen.

In unserer Leih-Sämerei, Stadtbibliothek Tiergarten-Süd, Lützowstr. 27, 10785 Berlin, findet ihr frisches Saatgut aus (nicht nur) Berliner Gärten und wir freuen uns über mitgebrachtes Saatgut eurerseits.

Informationen und Öffnungszeiten: Info Leih-Sämerei 3.2.16

 


Wir haben es satt

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und wollen, dass Bauern und nicht Konzerne unsere Lebensmittel herstellen!


Auf zu neuen Taten!

Für das neue Jahr 2016 wünsche ich alles Gute, Gesundheit und Fröhlichkeit im privaten und öffentlichen Leben und freue mich auf alle,
die sich tatkräftig und gemeinsam mit und für andere(n) dafür einsetzen, unsere Welt – im Großen wie im Kleinen – wieder ein wenig grüner, gerechter, gebildeter und lebenswert für alle zu machen.

Also, auf zu neuen Taten! Kommt alle zur Demo am 16.1.2016:

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Alle weiteren Informationen unter:

http://www.wir-haben-es-satt.de/start/home/