Magerstandorte – Biotope der Artenvielfalt

Ein Workshop im Gemeinschaftsgarten wachsenlassen

Gerade magere, sonnige Standorte sind aus unserer Landschaft fast vollständig verschwunden. Auch in Berlin, einst bekannt für seine vielen verwilderten Brachen, sind diese Freiräume immer weniger zu finden. Dabei bieten sie vielen Tieren und Pflanzen, die auf dem Land heimatlos geworden sind, einen Lebensraum.

Was immer noch weitgehend unbekannt ist:
Magerstandorte gehören zu den artenreichsten Lebensräumen.
Ein Großteil der einheimischen Wildpflanzen ist an magere, nährstoffarme Standorte angepaßt und entwickelt sich dort am besten und am gesündesten.

Daher haben wir uns auf den Weg gemacht, in einem zweiteiligen Workshop-Angebot darüber zu informieren, was ein Magerstandort überhaupt ist, welche Wichtigkeit er für die Vielfalt einheimischer Pflanzen und Tiere hat und wie man solch einen Standort anlegen kann.

Ein naturnah angelegetes Magerstandortbeet hat nichts mit den versteinerten Schottergartenkonzepten unserer Zeit zu tun, sondern es wird kreativ mit verschiedenen Materialien wie Sand, Schotter, Kies, Steinen und Totholz angelegt und mit standortgerechten einheimischen Pflanzen gestaltet.

Viele Pflanzen und Tiere finden hier ihren Lebensraum, neben Wildbienen finden sich andere Insekten wie Spinnen und Laufkäfer ein, die sowohl auf unseren aus- und aufgeräumten Agrarflächen auf dem Land als auch in den zunehmend versiegelten Städten heimatlos geworden sind.

Je nach Standort finden sich auch Reptilien ein, Vögel gehen hier gerne auf Insektenjagd oder genießen ein Bad im Sand.

Nach einer Kennenlernrunde und einer theoretischen Einführung durch die Workshopleiterin Ute Stumm, Naturgartenplanerin und Biodiversitätsberaterin, machten wir uns ans Werk.

Zuerst wurde der Boden des Beetes ca. 10 cm ausgehoben und sorgfältig von noch daran verbliebenen Pflanzenresten, besonders Wurzeln gesäubert.
Diese Arbeit muss sorgfältig verrichtet werden, damit alte Bepflanzungen nicht wieder durchschlagen und zurückkehren.

Dann wurde das Beet mit Sand aufgeschüttet, in unserem Fall haben wir mit zwei verschiedenen Sandsorten gearbeitet. Den eigentlichen Nisthügel haben wir mit einem Sand, den wir noch von einem Erdaushub auf dem Gelände übrig hatten, modelliert, dort haben wir auch noch drei vertikale Nisthilfen für Wildbienen aus Holz integriert, die schon vorher hier im alten Beet standen.
Es ist wichtig, darauf zu achten, dass der Sand eine bindige Struktur hat, zu feinkörniger Sand rieselt zu schnell und bietet Wildbienen keine ausreichend stabile Struktur, um ihre Niströhren bauen zu können.

Also nicht einfach die verlassen Buddelkiste der älter gewordenen Kinder plündern, dieser Sand muss auf jeden Fall in irgendeiner Form aufgearbeitet werden.

Den Hügel haben wir noch einmal zusätzlich gestampft und geklopft, damit er eine feste Struktur bekommt.

Danach machten wir uns ans Verschönern mit alten Baumwurzeln und Steinen. Diese Elemente bieten zudem auch noch einmal zusätzliche Lebensräume.

Dann ging es ans Pflanzen, für mich wie immer einer der schönste Teile bei solchen Arbeiten.

Für diesen Standort haben wir mit ausschließlich gebeitsheimischen Pflanzen gearbeitet, die wir über die Gärtnerei Hirschgarten und über Urbanität und Vielfalt bezogen haben. Hier noch einmal herzlichen Dank an die Arbeitsgruppe Schöneberg von UundV ,die uns mit einigen (für sie überschüssigen) Pflanzen beschenkt haben. Alles in freiwilligem Engagement per Hand geerntet, ausgesät und aufgezogen und garantiert gebietsheimisch!

Bei uns wurden u.a. folgende Pflanzen gesetzt:

Berg-Sandglöckchen

Jasione montana

Ohrlöffel-Leinkraut

Silene otites

Golddiestel

Carlina vulgaris

Rauen Löwezahne

Leontodon hispichus

Aufrechter Ehrenpreis

Veronica teucrium

Sandstrohblume

Herichrysum arenarum

Stipa (Echtes Federgras)

Stipa penneta

Wilde Karde

Dipsacus tullonum

Karthäusernelke

Dianthus carthusianorum

Gelbe Skabiosa

Scabiosa ochroleuca

Großblütige Königskerze

Verbascum densiflorum

Heide-Nelke

Dianthus deltoides

Gew. Leinkraut

Linaria vulgaris

Kleinblütige Bergminze

Clinopodium nepeta

Rundblättrige Glockenblume

Campanula rotundifolia

Breitblättriger Thymian

Thymus pulegiodes

Zypressenwolfsmilch

Euphorbia cyparissias

Geschafft!

Wir danken unseren Workshop-Teilnehmerinnen für die gelungene Zusammenarbeit und Ute Stumm für die anschauliche und praxisnahe Weitergabe ihres reichen Wissens- und Erfahrungsschatzes.

Was wir alle als Wissen (neben der praktischen Erfahrung, dass ich jetzt weiß, wie ich einen Magerstandort anlegen kann) mit nach Hause nehmen konnten:

Die Anlage von Magerstandorten ist in besonderem Maße biodiversitätsfördernd , denn mit der Anlage von Magerstandorten können wir einen Standort schaffen, der aus der Normallandschaft durch Nutzungsintensivieren fast vollständig verschwunden ist. Diese Nutzungsintensivierung ist einer derHauptgründe für den Rückgang der Biodiversität, der ja vor allem in den offenen und halboffenen Landschaften zu beobachten ist. Andererseits erweisen sich die Pflanzen der trockenen, nährstoffarmen Standorte als besonders widerstandsfähig in Trocken- und Hitzeperioden.

Magerstandorte sind als in der Klimakrise resilient erwiesen und können weiterhin zur Abkühlung der Umgebung beitragen, da die krautigen Pflanzen auch ohne Bewässerung grün bleiben und nicht vertrocknen.

Flächen mit kargem Bewuchs werden dringend benötigt und müssen auch künstlich geschaffen werden, wenn wir das Aussterben der Arten stoppen wollen.

Am 24.10. haben wir dann im 2.Teil unseres Workshop das eigentliche Sandarium angelegt, der Bericht dazu folgt.

Der zweiteilige Workshop Magerstandort als Sandarium wurde in Zusammenarbeit mit dem Projekt Gemeinschaftsgärten gestalten Bestäuberschutz durchgeführt.

Wir danken der Postcode Lotterie für die Förderung unserer Arbeit:


Workshop: Anlage eines Sandariums

Sa, den 24.10.2026, 14.30 – 17.30 Uhr

Einheimische Wildpflanzen sind ein wichtiger Baustein, dem enormen Verlust an Biodiversität in Zeiten des Klimawandels etwas entgegenzusetzen. Ein Großteil der einheimischen Wildpflanzen ist an magere, nährstoffarme Standorte angepaßt, auf denen sie reichlich blühen. Das macht diese Flächen wiederum für Insekten sehr attraktiv, zudem finden sie hier reichlich Nistorte.
Gemeinsam möchten wir mit unseren Workshop-Teinehmer*innen im Gemeinschaftsgarten ein Sandarium in unserem neuen Magerstandort anlegen.

Wir lernen Wissenswertes über Wildpflanzen und den Wert von Magerstandorten und entdecken die ihnen eigene Ästhetik.

Nachdem wir im ersten Teil unseres Workshops ein Magerbeet angelegt haben, werden wir diesmal einen Sandhügel als Nistplatz für Wildbienen anlegen und den Ort mit Totholzelementen ergänzen und mit einheimischen Wildstauden bepflanzen.

Damit legen wir das eigentliche Sandarium an und vervollständigen damit die Gesamtfläche.
Bitte für Gartenarbeiten passende Kleidung und Schuhwerk tragen.

 

Leitung: Ute Stumm, Natugartenplanerin, Dpl. Ing., Biodiversitätsberaterin

Gemeinschaftsgarten wachsenlassen
Lützowstraße 28
10785 Berlin

Kontakt: Stadtnatur@wachsenlassen.com

Der Workshop ist kostenfrei.

In Zusammenarbeit mit dem Projekt: Gemeinschaftsgärten gestalten Bestäuberschutz,  MfN Berlin/ TUM

Wir danken für die Förderung unserer Arbeit:


Stadtnaturgarten sucht neue Mitgestalter*innen!

Der Gemeinschaftsgarten wachsenlassen befindet sich seit 2010 im Herzen des Kiezes Tiergarten-Süd, Berlin Mitte, auf dem Gelände des Kiez Zentrums Villa Lützow.

Unser größtes Anliegen der Erhalt der Artenvielfalt und die Sensibilisierung für einen achtsamen Umgang mit der Natur. Wir sehen unseren ca. 2000qm großen Stadtnaturgarten als ein Trittsteinbiotop und stehen beispielhaft für eine klimaangepasste Stadtgestaltung.

Seit seiner Gründung ist der Garten für uns ein Ort gelebter Gemeinschaft, eines nachhaltigen Miteinanders und ein Ort, um Natur zu erfahren und (wieder-) zu erleben.

Unsere Schwerpunkte liegen in der Förderung der Biodiversität in der Stadt und der Errichtung und Erhaltung von Lebensräumen für Tiere und Pflanzen. Wir gärtnern naturnah, d.h. wir pflanzen gebeitsheimische Wildpflanzen und Stauden und errichten Naturgartenmodule wie Totholz, Steinhaufen, Wasser, (Benjes-) Hecken….

Im Herbst stehen zum Beispiel die weitere Rodung und Neubepflanzung einer ausgewählten Fläche an und der Bau eines Sandariums.
Des weiteren ist der Bau einer Trockenmauer geplant.

 

Wir suchen Menschen, die uns in folgende Aufgabenbereichen tatkräftig unterstützen:

– naturnahe Gartenpflege

– naturnahe Gartenplanung- und gestaltung

– Erfassung der Pflanzen und Tiere unseres Gartens (Artenkenntnis)

– LeihSämerei: Ernte und Reinigung von Saatgut (einheimische Wildpflanzen und Gemüse), Eintüten und Einstellen zur Mitnahme des Saatgutes in die LeihSämerei, Hilfe bei Vorbereitung und Durchführung unserer jährlichen Saatgut-Tauschbörse, Vernetzung.

– Bei Interesse und eigenem Wissen und Ideen Durchführung von Angeboten aus den Bereichen, naturnahes Gärtnern, Biodiversität, Vögel, Insekten, Kräuter….

– Öffentlichkeitsarbeit.

Ebenfalls sind Menschen willkommen, die unseren Garten für ihre persönlichen Leidenschaften (Naturfotografie, Kunst, Wildbienen, Vögel, Kräuterführungen….) nach Absprache nutzen möchten.

 

Wenn Du Lust hast, gemeinsam im Team mit anderen die Stadtnatur zu erhalten und so die Biodiversität zu fördern, dann melde Dich bei uns.

Bei uns ist für jedes Alter, von leichter bis schwerer Gartenarbeit etwas zu tun, jede*r kann sich nach seinen Fähigkeiten individuell einbringen.

 

Termine: wöchntlich Dienstag-Donnerstag, 14.00 – 17.00 Uhr, nach einer Einarbeitungszeit auch individuelle Termine möglich und/oder ab und zu zu Arbeitseinsaätzen nach Absprache.

Kontakt: Gabriele Koll, wachsenlassen@web.de

 


Gießt man eigentlich Straßenbäume?

 

Passend zu unserem letzten Workshop bin ich über diesen schönen Artikel im Newsletter von Zukunftslust gestolpert:

 

BIODIVERSITÄT  |  von Ute Stumm

Die Königsdisziplin des Gärtnerns

Gießt man eigentlich Straßenbäume?


Auf einer Fachtagung formulierte es Isolde Feilhaber vom Pflanzenschutzamt Berlin einst so: „Wässern – das ist die Königsdisziplin des Gärtnerns.“ – Und aus meiner langjährigen Berufspraxis kann ich berichten, dass es eines der schwierigsten Themen im Bereich des Gärtnerns ist. Denn es gibt einfach kein allgemeingültiges Rezept. Es gibt viele Faktoren, die man bei der Bewässerung von Freilandpflanzen bedenken muss. Und genau deshalb ist das nachhaltige, wassersparende und richtige Bewässern von Gartenpflanzen so schwierig zu erlernen.

Leider ist mein Vorsatz, mich zu diesem Thema möglichst kurz zu fassen, gnadenlos gescheitert. Aber schon als Annette kurz nach unserer Veranstaltung zum Weltwassertag im LIO auf mich zu kam und mich gefragt hat, ob ich nicht für uns alle eine Gießanleitung für die Straßenbäume schreiben kann, ahnte ich, dass ich diese nicht schreiben kann. Zum Glück hat sie weder meinen erschrockenen Gesichtsausdruck noch meine Arme gesehen, die himmelwärts flogen.

Die Riesen der Straße sind das Schönste an Berlin

Berlins unzählige Straßenbäume gehören für mich zu dem schönsten was die Stadt zu bieten hat und gleichzeitig sind sie das schlimmste und schwierigste Thema der Stadtnatur.

weiterlesen:

 


Mehr Biodiversität in der Stadt durch sinnvolle Bepflanzung von Baumscheiben

Die Bepflanzung einer Baumscheibe ist in der Stadt eine einfache Methode, um den Bäumen zu helfen, den täglichen Umwelteinflüssen standzuhalten.
Zudem trägt sie, bei sinnvoller Bepflanzung, auch effektiv zur Erhöhung der Artenvielfalt in der Stadt bei.

Was dabei zu beachten ist, konnten wir gemeinsam unter Anleitung von Ute Stumm, Naturgartenplanerin Dipl. Ing, Regionalgruppe Berlin/Brandenburg Naturgarten e.V. in einem Workshop am 25.4.2026 praxisnah erfahren.

Zur gemeinsamen Gestaltung hatten wir uns dazu eine Baumscheibe in der Lützowstraße 28, 10785 Berlin Mitte, direkt an unserem Gemeinschaftsgarten gelegen, ausgesucht.

Erst einmal ging es an die Theorie.

Was pflanze ich, wie pflanze ich, wie bereite ich den Boden vor und vor allem: was hilft dem Baum, was schadet dem Baum?

Denn auch so groß der berechtigte Wunsch sein mag, sich einen kleinen persönlichen Vorgarten in der Stadt zu schaffen, sollte man nicht aus den Augen verlieren,dass die Bepflanzung einer Baumscheibe in erster Linie der Unterstützung des vorhandenen Baumes (sollte einer vorhanden sein, auch ‘Baumscheiben ohne Baum’ werden der Einfachheit halber häufig als Baumscheiben bezeichnet) dienen sollte.

Neben diesem Wissen, das ich vor dem Bepflanzung erwerben sollte, gibt es auch einige festgesetzte Richtlinien von Seiten des zuständigen Grünflächenamtes zu beachten.
Hier ist Achtung angesagt: In unserer Stadt gibt es dazu noch keine einheitliche berlinweite Regelung und es ist wichtig, sich jeweils auf den dafür zuständigen Bezirksseiten zu informieren. Was in Schöneberg gilt, kann in Zehlendorf schon wieder ganz anders aussehen…

Die Lützowstraße befindet sich im Bezirk Mitte, da findet man auf

https://www.berlin.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/aemter/strassen-und-gruenflaechenamt/gruenflaechen/artikel.606854.php

eine sehr gut Anleitung inklusive eines informativen Flyers zum herunterladen.

Nach dem theoretischem Input haben wir damit begonnen, ‘unsere’ Baumscheibe von Müll und vorhandenem Bewuchs zu befreien.

Hier ist unbedingt darauf zu achten, nicht zu tief in den Boden zu gehen (in Berlin Mitte sind maximal 10 cm erlaubt), um die Wurzeln des Baumes oder eventuell vorhandene Leitungen nicht zu beschädigen.

Danach haben wir eine ca. 5 cm dicke Kompostschicht aufgetragen und vorsichtig eingeharkt.

Dann ging es an die Umzäunung. Wir hatten uns für eine Bündelung aus feinem Gehölzschnitt entschieden, die mit schmalen Pfosten befestigt wurde.

Achtung: auch hier ist unbedingt auf die Verkehrssicherheit zu achten (Stolperfallen) und darauf, dass die Verankerung max. 20 cm tief in die Boden angebracht werden darf und u.a. ein Abstand von 50 cm zur Fahrbahn eingehalten werden muss.

Nun konnte es endlich an die Bepflanzung gehen.

Wir haben uns hier konsequent für einheimische Wildpflanzen entschieden, die den Ökosystemen unserer Region förderlich sind und somit Nahrung in Form von Pollen und Nektar für einheimische Insekten bieten.

Zusätzlich zu den Pflanzungen haben wir noch einen Bienen- und Schmetterleringssaum mit regionalem Saatgut ausgebracht, welches uns freundlicherweise von der Stiftung Naturschutz Berlin zur Verfügung gestellt wurde.

Danach wurde ausreichend gewässert, damit sowohl Saatgut als auch die Pflanzen einen guten Start haben.

Besonders in den ersten Wochen ist es bei den Aussaaten wichtig, den Boden gut feucht zu halten, ansonsten gilt bei dem Gießen von Baumscheiben die Regel, 1x in der Woche ausreichend tief zu wässern (mind. 70 – 100 Liter) anstatt täglich eine Gießkanne, damit das Wasser auch zu den tiefen Wurzeln des Baumes durchsickern kann.

Wir waren auf jeden Fall stolz auf unser gemeinsames Werk und möchten mit dieser Gestaltung zeigen, dass es unter Beücksichtigung der amtlichen Regelungen gut möglich ist, mit der sinnvollen Bepflanzung von Baumscheiben sowohl den vorhandenen Straßenbaum zu unterstützen als auch mehr Biodiversität in die Stadt zu bringen. 

Wer im Bezirk Belin Mitte eine Baumscheibe bepflanzen möchte, sollte sich unbedingt an dem gut strukturierten Infoflyer des Bizirksamtes des Bezirksamtes halten:2025-07-14_baumscheiben-mitte_flyer-4

Wir danken der Workshopleitung, allen Teilnehmenden und der

Postcode Lotterie für die Förderung unserer Arbeit.

Unsere weiteren Workshopangebote für das laufende Jahr finden sich hier: Workshophreihe wl 2026

 


Workshop: Gemeinsame Gestaltung und Bepflanzung einer Baumscheibe

Sa, 25.4.2026,15.00 – 18.00 Uhr

Gemeinschaftsgarten wachsenlassen

Lützowstraße 28
10785 Berlin

Hitze und fehlende Luftfeuchtigkeit bereiten unseren alten Straßenbäumen mehr und mehr Probleme. Viele Straßenzüge weisen neben den Bäumen keine weiteren grüne Strukturen auf.
Bäume an Straßen und Parks spenden Schatten, wenn sie eine gewisse Größe erreicht haben. Im Verbund, im Wald und im Park, bieten sie Tieren wertvollen Lebensraum.

Staßenbäume hingegen stehen isoliert und sind mit diesem Standort extremen Stress ausgesetzt. Wenig Platz für Wurzeln, verdichtete Böden, regelmäßige Besuche von Hunden, wenig Regenwassereintrag durch zu kleine Baumscheiben.

Mit einer durchdachten Bepflanzung von Baumscheiben auch in Straßen ist es möglich, Biodiversität fördern.

Aus diesem Grund wollen wir überlegen, warum eine Bepflanzung der Baumscheiben sinnvoll ist. Wie wir sie begrünen können, welche Anforderungen an Standort und Verkehrssicherungspflicht wichtig sind. Wir werden dies praktisch an den Baumscheiben in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Gemeinschaftsgarten wachsenlassen anschauen, bewerten und durch Pflanzung und Aussaat von Standort geeigneten Wildpflanzen eine Baumscheibe gestalten.

Leitung: Ute Stumm, Naturgartenplanerin Dpl. Ing., Naturgarten e.V.

Dieser Workshop im Rahmen unseres Projektes Erlebte Vielfalt in der Stadtnatur ist kostenfrei und wird ermöglicht durch die Förderung von:

Kontakt: wachsenlassen@web.de

 


Workshop: Gemeinsame Aussaat eines Schattsaums

Wir starten unsere diesjährige Workshopreihe Erlebte Vielfalt in der Stadtnatur am

am So, den 29.3.2026, 14.00 – 17.00 Uhr

mit der gemeinsamen Aussaat eines Schattsaums.

Im Naturgarten orientieren wir uns in der Planung der Flächen an der Natur. Beetflächen bepflanzen wir gern mit Pflanzen der Saumgesellschaften. Säume kommen in der Natur an Gehölzrändern, vor großen Hecken und am Waldrand vor. Sie bilden den Übergang in die Landschaft. Es gibt Saumgesellschaften, die sonnige Standort bevorzugen und den Schattsaum. Für jeden Gärtnerbesitzer sind schattige Standort oft schwieriger anzulegen. Viele Schattenpflanzen ziehen sich im Hochsommer zurück, blühen vor dem Laubaustrieb der Bäume.

In diesem Workshop wir euch in die Kunst der Kombination von früher Blüte, schönen Blättstrukturen und Zwiebelblumen ein. In diesem Workshop lernen wir die Standortbedingungen der heimischen Schattenpflanzen kennen, wie wir sie vermehren können. Warum Aussaat immer eine gute Wahl ist. Wir werden eine Fläche im Garten für Aussaat und Pflanzung vorbereiten. Wenn du praktisches Wissen zur Anlage von Aussaatflächen brauchst, kommt vorbei uns hilf uns das neue Schattenbeet im Garten anzulegen.

Leitung: Ute Stumm, Natugartenplanerin Dpl. Ing.

Veranstaltungsort:
Gemeinschaftsgarten wachsenlassen,
Lützowstraße 28,
10785 Berlin

Eine Übersicht über sämtliche Termine und Inhalte unsere Workshopreihe 2026 als pdf findet sich hier: Workshophreihe wl 2026_:

Die Durchführung dieser Workshopreihe wird ermöglicht
durch die Unterstützung von:

 

 


Aktueller Spendenaufruf! – Vorschrift will Gemüse fressen

 

Aufgrund aktualisierter Hygiene- und Brandschutzverordnungen im Kiez Zentrum Villa Lützow ist es uns leider nicht mehr möglich, die Gemüsepflanzen für unseren Gemeinschaftsgarten wie gewohnt in dem bisher genutzen Raum zu Beginn der Saison vorzuziehen.

Nach langem Suchen haben wir mit Unterstützung der Hauskoordination eine Stelle gefunden, in dem dies weiterhin möglich sein kann, aber nur unter der Auflage, dass die für die Vorzucht verwendeten Gefäße feuerfest sein müssen.

Die Methode, diese bisher in recycelten Materialien wie gebrauchten Plastikschalen oder Eierkartons anzuziehen, ist mit den neuen Verodnungen hinfällig.

Wir haben recherchiert und als einzige Möglichkeit ergibt sich die Anzucht in verzinkten Anzuchtschalen, eine sehr nachhaltige und ansprechende Lösung, die aber auch Geld kostet, das wir momentan nicht zur Verfügung haben.

Unser Gemeinschaftsgarten finanziert sich ausschließlich über Spenden, Fördermittel und Stiftungsgelder und wir haben für dieses Jahr noch keinen Sachmitteletat, über den eine solche Anschaffung möglich wäre.

Zudem müssen auch noch entsprechende feuerfeste Tontöpfe angeschafft werden, um die Keimlinge nach dem Pikieren umzupflanzen

Alles in allem benötigen wir eine einmalige Summe von 250,00 €,
um den Gemüseanbau in unserem Garten weiterhin durchführen zu können.

Dieser Anbau aus samenfesten, zum Teil im eigenen Garten geerntetem Saatgut, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Wir pflegen die Beete gemeinsam mit unseren Kindergartengruppen und freiwillig engagierten Mitgärtner*innen, um zu zeigen, dass ökologischer Gemüseanbau in der Stadt auch auf kleiner Fläche möglich ist, um hautnah zu erfahren, wo unsere Lebensmittel eigentlich herkommen, um alte Kultursorten zu erhalten und nicht zuletzt, um unser eigenes Gemüse bei gemeinsamen Essen zu genießen.

Deshalb bitte wir alle Freund*innen und Unterstützer*innen unseres Gemeinschaftsgartens in Berlin Tiergarten-Süd, für uns zu spenden, damit wir uns diese nachhaltige Anzuchtversion anschaffen können.

Jeder noch so kleine Betrag bringt unser näher ans Ziel, die Zeit läuft. Ende Februar müssen wir mit den ersten Aussaaten beginnen!
Bitte unterstützt unsere Arbeit!

Herzlichen Dank!

Euer Team wachsenlassen

Spenden einfach über betterplace.org:

https://www.betterplace.org/de/projects/83319-gemeinschaftsgarten-wachsenlassen-wir-foerdern-biodiversitaet-in-der-stadt/news/360387

 

 


Pflanzen und Tiere…

…

oder gleich: Tiere pflanzen!

Das Schaffen von Lebensraum und Nahrungsquellen für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten ist heute wichtiger denn je. Ein Schlüssel dazu liegt in der Anpflanzung heimischer Wildpflanzen.
Wildpflanzen kommen natürlich und wild an bestimmten Orten vor und sind nicht durch den Menschen, beispielsweise durch Zucht, verändert worden.
Durch ihre hohe genetische Variabilität haben sie die Fähigkeit, sich evolutionär stetig weiterzuentwickeln; eine Vorraussetzung dafür, sich veränderten Klimabedingungen anzupassen.
Sie spielen eine wichtige Rolle in Ökosystemen, da sie in engem Zusammenspiel mit ihrem Lebensumfeld stehen. Vögel und Säugetiere sind auf heimische Wildpflanzen als Kost und Baumaterialien angewiesen, viele Wildbienen und Schmetterlinge sind bei ihrer Ernährung auf bestimmte Pflanzen spezialisiert.
Auch in Balkonkästen oder Kübeln fühlen sich viele Wildpflanzen wohl!

Um die lokale Flora und Fauna (Pflanzen- und Tierwelt) zu unterstützen, ist es wichtig, heimisches Pflanz- und Saatgut zu verwenden.
Auch wenn die Pflanzen für uns gleich aussehen mögen: eine bayrische Wiesen-Margerite entspricht genetisch nicht einer brandenburgischen Wiesen-Margerite.
Die Evolution hat die Pflanzen an ihre jeweilige naturrräumliche Umgebung angepasst, was zu genetischen Unterschieden führt.
Ob eine Art in einem Gebiet heimisch ist, kann man z.B. in der Roten Liste der Bundesländer sehen.
Aus den naturräumlichen Gegebenheiten leiten sich 22 Herkunftsgebiete innerhalb Deutschlands für die Regio-Saatgutproduktion der ungefährdeten, krautigen Arten ab (Gehölze haben eine eigene Liste).
Berlin liegt beispielsweise im Nordostdeutschen Tiefland, indigene Pflanzen aus den Ursprungsgebieten 4 und 22 können als gebietseigen für unsere Region bezeichnet werden.
Mehr zu den Herkunftsgebieten: https://wildblueten.de/was-bedeutet-heimisch/

Weitere Beratung zu regionalem Saatgut und Pflanzen unter:
www.stiftung-naturschutz.de/naturschutz/beratung-fuer-biologische-vielfalt-im-siedlungsbereich

Was hat das nun alles mit Tiere pflanzen zu tun?

Die meisten Pflanzen- und Tierarten sind in gegenseitiger Abhängigkeit im Rahmen der Evolution enstanden.
So benötigt der Stieglitz die Samenstände von Kardengewächsen, Disteln oder anderer Korblblüter zur Nahrungssuche.
Zu berücksichtigen ist aber nicht nur die Beziehung zwischen Pflanze und Tieren, sondern auch die Gesamtheit der Lebensumstände.
Denn wenn die Pflanze einen trockenen und mageren Standort benötigt, wird dieser auch für die Tiere, die mit ihr in Beziehung stehen, das richtige Lebensumfeld sein.
Ein trocken gehaltener Kübel mit Karden und Disteln in einem feuchten, waldigen Umfeld wird kaum soviel Tiere anlocken wie die gleichen Pflanzen, umgeben von Blüwiesen mit trockenen und mageren Standortansprüchen.

Besonders viele Insekten und Wildbienen, die sehr vom Artenschwund bedroht sind, sind auf das Vorhandensein “ihrer” Wildpflanzen angewiesen: der Zitronenfalter liebt den Faulbaum, die Wollbienen den Heil-Ziest oder die Königskerze, die Mönchgrasmücke den Holunder…

Als spannende und informationsreiche Lektüre für alle, die der Biodiversität in ihren Gärten (oder auf Balkonen) einen Raum geben möchten, ist das Buch ‘Tiere pflanzen’ – Faszinierende Partnerschaften zwischen Pflanzen und Tieren von Ulrike Aufderheide zu empfehlen.
https://pala-verlag.de/buecher/tiere-pflanzen/


Fotos: W. Puhlmann

Und keine Angst, für einen naturnahen Garten muss auch nicht gleich der ganze Garten umgegraben und neu gestaltet werden, viele Blühstauden, die nicht ursprünglich aus unserer Region kommen, aber schon als eingebürgert gelten dürfen, sind ein wahrer Insektenmagnet.
Aber Augen auf beim Pflanzenkauf: besonders doppelt gefüllte Zuchtformen haben keine Wert für unsere Insektenwelt, häufig sind Pflanzen aus dem konventionellen Angebot mit tödlichen Pestiziden behandelt oder schlicht und ergreifend einfach zu exotisch, um irgendeinen Wert für unsere einheimischen Tiere zu haben.

Am besten ist also immer der Kauf biozertifizierter Pflanzen und Samen bei regionalen Anbietern.

Wer Lust hat, mehr über dieses Thema zu erfahren, ist herzlich eingeladen zu unserem nächsten Workshoptermin am 22.8., bei dem sich alles um die naturnahe Gestaltung in Gärten, auf Balkonen und öffentlichen Grünflächen dreht.


Jahresende und Beginn

Immer häufiger wird darüber berichtet, wie wichtig Grünflächen in der Stadt sind- bieten sie doch die Möglichkeit, in den immer heißer werdenden Sommern ein wenig Schutz vor der Hitze und zum Durchatmen zu finden.

Aber auch die Wintermonate liefern reichlich Grund dafür, eine naturnah gestaltete Fläche in der Stadt aufzusuchen, vorausgesetzt, Sie haben dafür eine in der Nähe.

Viele Farben und Formen sind auch jetzt zu entdecken und können eine kleine Pause bieten von den großen und kleinen Alltagsdingen, die erledigt werden möchten und uns gedanklich beschäftigen und auch immer wieder Sorgen bereiten.

Auch die Luft ist auch im Winter zwischen Bäumen und Gehölzen allemal besser als in den vielen Verkehrs- und Einkaufszonen unserer Stadt. Wir sollten aufpassen auf unsere ‘grünen Lungen’, sie schützen und vermehren.

Während der letzte Grünkohl des vergangenen Jahres in strahlendem Grün auf seine allerletzte Ernte wartet, verheißt der jetzt wachsende Feldsalat schon zukünftigen Genuss. Nur noch ein bisschen warten auf diesen gesunden Wintersalat mit fein nussigem Aroma.

Einige der im letzten Jahr neu gepflanzten Wildblumen zeigen, dass sie gut angewachsen sind und werden voller Freude auf künftige Blütenpracht und Nahrung für Insekten begrüßt. Wie schön, das wuchsfreudige Leben im Wintergrau der Stadt zu finden.

Und nicht abgelenkt durch eine üppige Vegatation entdeckt das Auge nun andere Formen, die sonst meist gut versteckt sind.

Wer mag alles im Totholz wohnen, dort verschlungene Wege und Höhle anlegen und wo sind die Bewohner jetzt, zu der kalten Jahreszeit? Schlafen sie einen Winterschlaf, sind sie einfach eine Etage tiefer gezogen oder überleben nur ihre Nachkommen, die zu schlüpfen beginnen, wenn es wieder wärmer wird?

Wir können den Kopf frei bekommen beim Rundgang im winterlich Garten und die Gedanken zurückschweifen lassen ins vergangen Gartenjahr.

Was alles ist passiert im Jahreskreislauf 2024?

Während der Winter bei uns geprägt ist von Workshops und Saatgutreinigung, sind wir Ende Februar mit unserer Saatguttauschbörse gestartet.

Denn meist ist es spätestens Ende Januar soweit, dass die Gärtner*innen von der nächsten Saison zu träumen beginnen und sich fragen, welche Gemüse sie im nächsten Jahr anbauen möchten.

Im letzten Jahr sind bei uns Auberginen, Tomaten und Zucchini wunderbar gewachsen, auch wenn wir, wie so viele andere auch in diesem Jahr, extrem unter den vielen, vielen Schnecken zu leiden hatten. Unsere Salaternte ist so gut wie komplett ausgefallen. Gerettet hat uns am Ende dann wohl die Schaffwolle, die wir ins Beet gestopft habe. Und das Milpabeet musste ohne Bohnen auskommen. Waren es nur noch ‘zwei Schwestern’.

In diesem Jahr hoffe ich wieder auf eine bessere Salat- und Paprikaernte und möchte endlich einmal Artischocken ausprobieren. Und Rosenkohl, der im letzten Jahr auch nicht gelungen ist.

Warum wir Gemüse in unserem Garten anbauen?

Natürlich erst einmal, um zu zeigen, dass dies in der Stadt überhaupt möglich ist, denn das gelingt in kleinem Maße sogar auf der Fensterbank und/oder auf Balkonen.
Dann natürlich wegen der Kinder in unserem Garten.
Es macht einfach unheimlich Spaß, mit ihnen gemeinsam etwas anzubauen, was man später auch essen kann. Alle sind mit Eifer dabei.

Um dazu anzuregen, saisonal einzukaufen. Die Lebensmittel, die bei uns wachsen, benötigen nun mal keine langen Transportwege (und damit u.a. keine so hohen Kosten für fossile Brennstoffe in Form von z.B. Sprit oder Dünger.)

Um alte, regionale Kultursorten zu erhalten, um zu zeigen, wie man von ihnen samenfestes Saatgut gewinnen kann. Wertschätzung.

Im letzten Herbst haben wir einige in die Jahre gekommenen Staudenbeete umgestaltet und konsequent mit Wildpflanzen aus regioalem Saatgut bepflanzt.
Wir sind schon gespannt darauf, wie sich Pflanzen entwickeln werden und hoffen, dass alle gut angegangen sind.
Regionale Wildblumen haben einen wichtigen Platz in Ökosystemen, erfeuen uns durch ihre aparten Blüten und bieten Nahrung für Insekten und Vögel. Sie sind robust im Anbau und haben ein hohes Potential, sich an Klimaveränderungen anzupassen.

Dann gab es einige Instandsetzungsarbeiten, die wir im letzten Jahr getätigt haben. Unsere Bänke haben neue farbennfrohe Anstriche bekommen und wir haben die Beetbereiche deutlicher durch Abgrenzungen markiert. Da unser Garten öffentlich zugänglich ist und von immer mehr Besuchern aufgesucht wird, war es wichtig, die nicht zu betretenden Bereiche besser zu markieren.

Und schließlich haben wir den Garten bei Festen und Veranstaltungen wieder als Ort der Gemeinschaft und des Zusammenkommens genießen können.

Wir haben uns über zahlreiche Besucher*innen gefreut und danken unseren Kooperationspartner*innen für die gelungenen Durchführungen ihrer themenspezifischen Angebote.

Ebenfalls möchte ich an dieser Stelle noch einmal den vielen freiwillig engagierten Menschen danken, die sich mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten bei uns einbringen und uns zuverlässig unterstützen. Ohne sie wäre es nicht möglich, unsere Arbeit aufrecht zu erhalten!

In diesem Jahr starten wir mit unserer öffentlichen Saatgut-Tauschbörse am 9.3. und freuen uns auf ein weiteres Jahr in der Stadtnatur.

Wer bei uns mitmachen möchten, melde sich einfach unter wachsenlassen@web.de wir suchen besonders Menschen, die sich bei unserer Saatgutgewinnung /Leihsämerei einbringen möchten oder uns bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen können.
Bei der Gartenpflege- und gestaltung
wünschen wir uns Personen, die schon einen ‘Plan haben’ beim naturnahen Gärtnern.

Für alle, die uns finanziell unterstützen können und möchten: das geht am einfachsten unter betterplace.org / Gemeinschaftsgarten wachsenlassen