Gartenimpressionen – früher Winter

November-Dezember, die Tage werden kurz, der Garten kleidet sich für die dunkle und kalte Jahreszeit.

Farben und Formen verändern sich und die Spatzen machen sich über die stehengebliebenen Samenstände her.

Der tote Baum erfährt neue Besiedlungen, Pilze, Flechten und Mose beginnen auf ihm zu keimen. Und zahlreiche andere sichtbare Spuren erzählen von einem reichen Innenleben.

Hoffentlich rechtzeitig aufgehangene Domizile für Ohrenkneifer und wen auch immer bieten Schutz für die willkommenen Nützlinge im nächsten Jahr.

Der Garten im Winter bietet Raum für Träumereien, Reflexionen und sinnvoller Freizeitbeschäftigung im Freien. Mitten in der Stadt können wir Natur erfahren und uns aktiv zu ihrem Schutz einbringen.

À propos Spatzen:

Es gibt natürlich noch mehr Gartenvögel in unserem Gemeinschaftsgarten neben dieser lustigen Horde, die regelmäßig bei uns einfällt.
Ab Ende November haben wir mit der Winterfütterung begonnen, die erst einmal noch etwas spärlich ausfällt, da die Vögel in unserem Garten noch genug Samen und Beeren zu fressen haben. Aber ein bißchen was dazu freut ja auch das Vogelherz…

Wichtig ist, dass die Vogeltränken- und bäder steht gefüllt und gesäubert werden. Natürlich haben Vögel auch im Winter Durst und die meisten von ihnen baden auch im Winter sehr gerne!

Und nicht zuletzt: der Gemüsegarten.

Der Rosenkohl hat seinen ersten Frost erhalten und kann abgeerntet werden …und schmeckt unbeschreiblich gut!

Ab dem 18.1.2021 bieten wir wieder individuelle Gartenführungen und gemeinsame Herstellung von Salben/ BodyButter für Einzelpersonen/ max. 2 Personen aus einem Haushalt an.

Nur mit Anmeldung unter: wachsenlassen@web.de


Geschenke der Natur – Salben selbstgemacht

Das ganze Jahr über ernten wir in unserem Gemeinschaftsgarten (Wild-) Kräuter, Blüten, Wurzeln, Pflanzen, Gemüse…, um sie im Herbst und Winter in Mitmach-Workshops gemeinsam mit anderen weiter zu verarbeiten.

Gemeinsam selbermachen in Zeiten von Pandemien?
Leider nur stark eingeschränkt möglich.

Also haben wir uns in diesem Herbst intern daran gemacht, pflegende und heilende Salben aus aus den im Jahr angesetzten Mazeraten (Öl-Auszügen) von Löwenzahn, Ringelblume, Johanniskraut und weisser Taubnessel herzustellen. Alle diese Pflanzen enthalten viele hautpflegende Substanzen.

Das Rezept ist simpel, wichtig sind die Zutaten und absolut sauberes, so steril wie mögliches Arbeiten.

Öl-Auszüge aus den oben genannten Pflanzen lassen sich von jeder/jedem leicht selbst herstellen. Löwenzahn wächst überall und das heilsame Johanniskraut scheint eindeutig zu den pflanzlichen Gewinnern des Klimawandels zu gehören – zumindest in Berlin.
Ich habe es in den letzten zwei Sommern vermehrt in öffentlichen Parks und Grünflächen gesehen.
Wie immer beim Ernten von Wildkräutern gilt: maximal ein Drittel pro Pflanze abernten, damit sie sich auch weiterhin gut entwickeln und verbreiten kann und nicht in der Nähe von stark befahrenen Strassen ernten, wer weiß, was sonst noch alles an ‚Inhaltsstoffen‘ enthalten ist.

Die einjährige Ringelblume lässt sich problemlos auf einem halbwegs sonnigen Balkon aussäen (die Staudengewächse Löwenzahn und Johanniskraut natürlich ebenso, da muss man halt nur ein, zwei Jahre bis zur Ernte warten – die Wildbienen werden es euch danken, wenn sie so etwas auf euren Balkonen finden).

Wichtig ist es, die Pflanzen in einem guten Öl in Bio-Qualität einzulegen, wir nehmen in der Regel ein (ebenfalls hautpflegendes) Olivenöl dazu. Die Pflanzenteile 6-4 Wochen im Öl einlegen und dann abseien.

Dieses Mazerat kann dann unter Zusatz von Bienenwachs (auch hier auf Bio-Qualität achten!) im Verhältnis 10 zu 1 (Faustregel) zu einer wirkungsvollen Pflegesalbe weiterverarbeitet werden.

Die Mischung erhitzen, sie darf aber auf keinen Fall kochen, die wertvollen Wikstoffe gehen sonst verloren!

Wir haben übrigens festgestellt, dass wir – entgegen der Faustregel 10:1 – etwas mehr an Bienenwachs benötigt haben, um die von uns gewünschte Konsistenz zu erhalten, da möge jede*r selbst individuell experimentieren.
Unser Rezept lautet daher: auf 100 ml Öl-Auszug 15 g Bienenwachs.

Anschließend in mit heißem Wasser oder im Backofen sterilisierte Gläschen umfüllen – erkalten lassen und fertig ist die wunderbar hautpflegende Salbe!

Wer möchte, kann noch ein Tropfen paar ätherische Öle seiner Wahl (im warmen Zustand) untermischen, die ebenfalls pflegend sind und den individuellen Lieblingsduft verbreiten.

Als weitere Zutaten zur pflegenden und heilenden Hautsalbe sind zu empfehlen:

Sheabutter, Kakaobutter, Kokosöl (ebenfalls bitte auf Bio-Qualität und Fairtrade achten).

Wir haben Varianten unserer Grundsalbe so hergestellt, dass wir jeweils einen Teelöffel dieser Zutaten nach Wunsch beigemischt haben (natürlich alles im warmen Zusatnd), auch da möge jede*r selber ausprobieren.

Übrigens gemeinsam Selbermachen:

Wir bieten noch bis zum 16.12., in der Zeit Di-Do von 12.00 – 16.00 Uhr, die Möglichkeit für Einzelpersonen, gemeinsam mit einer Person aus unseremTeam, eigene Salben mit Zutaten aus unserem Garten herzustellen.

Dieses Angebot wird auch in der Zeit 12.1. – 28.1.2021 stattfinden.

Nur nach Anmeldung und verbindlicher Absprache unter: wachsenlassen@web.de

Ein bißchen gemeinsam Selbermachen unter Einhaltung von Hygienemaßnahmen geht immer – auch in Zeiten der Pandemie.


Der Gemeinschaftsgarten in Zeiten einer Pandemie – ein Rückblick auf das erste halbe Jahr 2020

Als wir in das Jahr starteten, schien die Welt noch in Ordnung zu sein.

Wir hatten viel Spaß beim gemeinsamen Herstellen von Deos und festen Schampoos mit der Kräuterpädagogin Kirsten Born und führten unseren zweiten Workshops ‚Malen mit Pflanzenfarben durch.

Die Wintermonate sind bei uns ja traditionell geprägt durch gemeinsames Selbermachen, in denen die Ernten des vergangenen Jahres verarbeitet werden.

Dann hatten wir zu Anfang März hatten noch einen regen Austausch beim Aussaatfest in Kooperation mit der Bibliothek Tiergarten-Süd und säten voller Erwartung unsere Gemüsesorten für die kommende Saison aus.

Beim Team des Gemeinschaftsgartens war die (Vor-) Freude groß, konnten wir doch endlich nach langen Jahren der Baustelle auf unserem Gelände in der kommenden Saison wieder unsere Gemüsebeete bestellen!

Tomaten, Salate, Gurken, verschiedene Kohlsorten und und und wurden in Schalen und Töpfe vorgesät.

Dann kam der sogenannte Lockdown wegen der Covid-19-Erkrankungen und die damit verbundene bange Frage: wie kann es weitergehen? Wie werden wir weiter arbeiten und unseren Garten bewirtschaften können? Was passiert mit unseren Aussaaten, die die Zukunft der Saison 2020 bedeuteten?

Daher war das Aufatmen groß, als wir – unter den geltenden Hygienemaßnahmen und den mit denen verbundenen Einschränkungen– weiter arbeiten konnten.

Von nun an konnten wir nur noch eins zu eins im Garten arbeiten und unsere Kindergruppen mussten ausgeschlossen werden.
Schnell wurde die Entscheidung getroffen, alle Beete mit vereinten Kräften zu bewirtschaften mit Hinblick darauf, dass alle, die uns erst einmal nicht besuchen konnten, sich später im Jahr am Gedeihen und Ernten würden erfreuen können.

Und sehr schnell fand sich ein fester Kreis von freiwillig engagierten Kräften, mit denen die viele Arbeit erledigt wurde.

Viel Kraft hat uns der Garten in dieser Zeit gegeben und weltweite Verbreitung des Virus führte uns noch einmal deutlich vor Augen, wie wichtig diese grünen und naturnahen Orte wie der Gemeinschaftsgarten wachsenlassen besonders in den Städten sind, wo viele Menschen zusammenleben und viele davon widerum keinen direkten Zugang zur Natur haben.
Wir Menschen sind Teil der Natur und es wird endgültig Zeit, dass wir in eine friedvolle Beziehung mit ihr treten. Der Aufenthalt in der Natur stärkt unser Immunsystem, pflegt und kräftigt unsere Seele, lässt uns unmittelbar Selbstwirksamkeit erfahren und lehrt uns, Verantwortung für unsere Umwelt und den in ihr lebenden Wesen wie Vögel, Insekten und Pflanzen zu übernehmen. Die gemeinsame Arbeit befriedigt unseren Wunsch nach Gemeinschaft und sozialen Kontakten – auch wenn diese zeitweise nur „ein-zu-eins“ im kleinsten Kreis stattfinden können.

Der Garten stillt unsere Sehnsucht nach Schönheit, nach dem Erleben und Entdecken von Form und Farbe, er weckt unsere Kreativität und macht uns staunen.

Er hilft uns dabei, an Körper und Seele gesund zu werden und zu bleiben.

Wichtig ist allen Mitgliedern des Gemeinschaftsgartens die Sorge um die Vögel und Insekten, die überall in der Welt durch eine dramatische Raumverknappung ihrer Lebenswelten, durch den massiven Einsatz von Pestiziden in der Agrarwirtschaft und durch auf – oder sollte man besser sagen – durch leergeräumte und versiegelte Städte und Landschaften, stark bedroht sind.

So bietet unser Garten ein reichhaltiges Angebot an Nektar- und Pollenpflanzen, ‚unaufgeräumte‘ Ecken bieten Schutz- und lebensräume und zahlreiche Nisthilfen für Insekten und Vögel werden zur Verfügung gestellt, unser neuinstallierter Wurmkompost schafft neues Leben im Boden.

Ab Mai konnten wir den Garten endlich wieder für etwas mehr Menschen öffenen und begannen mit regelmäßigen Gartenführungen in Kleingruppen von maximal 5 Personen. Damit war es uns möglich, im Freien auch wieder kleinere Mitmach-Angebote durchzuführen, über Heilkräuter und gebietsheimische Pflanzen zu informieren und dazu anzuregen, auch auf dem Balkon, der Terasse oder sogar nur auf der Fensterbank im Einklang mit der Natur zu gärtnern.

Wir stellten Estragon-Essig her und legten u.a. Ringelblumen, Johanniskraut, Löwenzahn und Taubnesselblüten in Öl ein zur Salbenherstellung in der Winterzeit.

Auch erste Rationen an Spitzwegerich-Honig – ein bewährtes Mittel gegen Husten – wurden zubereitet.

Dann kamen auch die Kinder wieder zu uns und es macht einen Riesenspaß, wieder mit ihnen gemeinsam im Garten zu sein.

Die bange Frage blieb: Wie würde dieses Jahr weitergehen?

Wie so viele andere urbane Gärten lebt und arbeitet auch der Gemeinschaftsgarten wachsenlassen seit Jahren unter unsicheren bis prekären Verhältnissen.

Am dringendsten benötigen wir die Finanzierung einer Personalstelle, um Koordination, Gartengestaltung, Anleitung und Betreuung zu gewährleisten.

Sie können uns dabei helfen, unsere Stadt ein kleines bißchen lebens- und liebenswerter zu machen und uns finanziell unterstützen unter: www.betterplace.org/p83319

Herlichen Dank!


Klimawandel und gemeinschaftlich gärtnern…

…oder: nicht der Götterbaum ist das Problem.

Seit nunmehr 10 Jahren gärntnern wir gemeinsam mit an dem Wohlerhalt unserer Erde interessierten Mitgärtner*innen in der Lützowstr. 28 in Berlin Mitte.

Wir sind nach wie vor ein ‚kleines Vorhaben‘ mit einem großem wunderschönen Garten, der sich immer wieder verändert – im Wandel der Jahreszeiten, im Wandel des Klimas.

Wir sind wichtig für die Abkühlung des Wohngebietes Berlin Tiergarten-Süd und dienen den Nachbar*innen als Feinstaubfilter.

Um den Garten in der Stadt in bei dem sich verändernden Klima zu erhalten, wählen wir – wenn möglich – gebietsheimische Pflanzen, die nicht viel Wasser benötigen, aber trotzdem an unser Klima gewöhnt sind.
Mediterrane Pflanzen sind häufig keine Lösung, da sie späten Kälteeinbrüchen, wie sie in Deutschland immer noch zu erwarten sind, schlecht standhalten können.

Heimische Gehölze und Stauden, die zudem auch das Nahrungsangebot für Insekten und Vögel bereichern, sind da robuster.

Ein Garten bietet beste Möglichkeiten, zu versuchen, wie es sich anfühlt, sich den Veränderungen unseres Klimas zu stellen.
Eine aufmerksame Beobachtung fördert meist die Fähigkeit, zielgerichtet in eine Handlung zu gehen.

Nicht der Götterbaum ist das Problem…
…sondern seine Fähigkeit, auch bei Hitze und Trockenheit noch ehr gut zu gedeien und dadurch einheimische Arten zu verdrängen.

Wir finden, beide sollten ihren Platz auf unserer Erde haben und zum Erhalt der Artenvielfalt bemühen wie uns, Gartenbereiche zu schaffen, in denen auch einheimische Pflanzen und Gehöze überleben können. Diese bieten zudem nach wie vor – im Gegensatz zu Götterbaum und Co.- die notwendige Menge an Nahrung für Vögel, Insekten, Menschen und anderen Wesen.

Möchtest Du unsere Arbeit unterstützen?

Wir freuen uns über tatkräftige Mitstreiter*innen bei der Ernte und Verarbeitung der Früchte, Samen, Heilkäuter unseres Gartens!

Dann melde unter:
wachsenlassen@web.de

Möchtest Du uns finanziell unterstützen?

Dann informiere Dich unter:

www.betterplace.org/de/discover-projects?q=Gemeinschaftsgarten+wachsenlassen


Kartoffelernte im Gemeinschaftsgarten

Das ganze Jahr über beschenkt uns der Garten mit reicher Ernte, nun ging es gemeinsam mit den Kindern an die Kartoffelernte, immer ein besonderes Vergnügen, wenn auch Pandemie-bedingt in diesem Jahr leider ohne ein Gartenfest mit Familien und Nachbarn.

Erst einmal wurde mit Florin der Einsatz von Grabegabeln geübt, bevor wir uns an die Kartoffelnsuche machten.

Ich war gespannt, wie groß die Ernte ausfallen würde, hatten wir die Kartoffeln in diesem Jahr doch in ein neu entstandenes Beet gesetzt, dessen Bodenbeschaffenheit noch nicht sehr gut ist.
Wir hatten sie – angelehnt an ein Milpa-Beet oder auch ‚die drei Schwestern‘ genannt – , gemeinsam mit Kürbis, Mais und Bohnen gepflanzt. Bei uns also vier Schwestern.

Aber wir wurden gut fündig, das reichte doch erst einmal für ein Mittagessen im Kindergarten und den Eltern konnte auch noch etwas mitgebracht werden.

Wie schön, dass wir in unserem Garten den Wandel der Jahreszeiten erleben können und diese auch noch mit unseren Ernten verbinden können.
Wir freuen uns nun auf Kürbis, Weiss- und Rotkohl und schließlich Rosen- und Grünkohl.

Und die Tomaten bescheren uns immer noch viele viele leckere Früchte!


Wurmkompost – erste Ernte!

Vor etlichen Wochen sind unsere Kompostwürmer in den Gemeinschaftsgarten eingezogen und nun ging es an die erste Ernte unseres eigenen Wurmhumus.

Geradezu ideal, um Grünkohl und Co und den immer noch reichlich früchte tragenden Tomatenpflanzen noch einmal wertvolle Unterstützung zukommen zu lassen.

Der Wurmkompost, der auch als Biodünger käuflich erworben werden kann, ist ein natürliches Produkt mit hochkonzentrierten Bestandteilen an pflanzenverfügbaren Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Kalium.

Er erfüllt alle Voraussetzungen für eine gesunde Pflanzennahrung und ist ein intensiver Langzeitdünger, neben einem deutlich höhererm Ertrag bei Gemüsepflanzen fördert er eine längere und bessere Blüte und stärkt die Pflanzen, so dass sie weniger anfällig für Krankheiten, Bakterien und Pilze sind.
Ein Wurmkompost enthält hochaktives mikrobielles Leben, Ton-Humus Komplexe und einen hohen Anteil an Enzymen und Aminosäuren.

Wurmhumus ist eine der kostbarsten natürlichen Substanzen und frei von jeglichen chemisch synthetischen Zusätzen. Besonders bei abgewirtschafteten Böden wird der Wurmkompost mittlerweile häufis als nahezu unternbehrlich beschrieben, da er deutlich dabei hilft, wieder ein ausgeglichenes Lebenssystem im Boden zu schaffen.

Zudem ist ein Wurmkomposter ein wunderbares Beispiel für eine gelungene Kreislaufwirtschaft: Bioabfall wohlmöglich sogar in den Restmüll? Was für eine Verschwendung!

Aus dem vermeintlichem Abfall entsteht wieder hochwertige Erde und Dünger, eine gute Grundlage für Gemüse und Blumen am Balkon !

Wir haben den fertigen Wurmhumus noch einmal durchgesiebt, um eine feinkrümelige Substanz zu erhalten und die übrig gebliebenen größeren Stücke wieder zurück zu den Würmern geworfen, da können sie sich ja noch mal mit beschäftigen.

Wurmkomposter gibt es mittlerweile auch für die Wohnung, kürzere Wege, um zur guten Balkon-oder Gartenerde zu kommen, gibt es wohl nicht.
Auf mehrere Anfragen hin haben wir für Februar 2021 einen Mitmach-Workshop zum Bau einer Wurmkiste geplant, wer nicht so lange warten will, wird mittlerweile im Netz gut fündig auf der Suche nach einer passenden Wurmkiste.


Schönheit und Garten

„Schönheit wird die Welt retten“,
sagt der kluge Idiot.

Ich hoffe es.
Gärten können diese Hoffnung nähren.

Schönheit ist (auch) ein biologischer Prozess. Wenn wir sie erfahren, werden aus neurobiologischer Sich Reize ausgeschüttet, die wir als angenehm oder als eine Belohnung empfinden.

Schönheit macht glücklich .

Schönheit ist der Prozesshaftigkeit unterworfen. Sie kommt und sie geht, sie ist zeitlich eingebunden. Damit macht sie uns die Vergänglichkeit des Lebens deutlich, vielleicht ist sie daher auch oft von melancholischen Momenten begleitet.
Ihre Vergänglichkeit ist ihre Leichtigkeit und Lebendigkeit, so wie auch die unsere.

Wir versuchen sie festzuhalten, in der Malerei, auf Fotos, Filmen und Videos – vielleicht auch ein Grund, warum das Internet uns Menschen so magisch anzieht – aber das geht über unsere Fähigkeiten hinaus. Sie lässt sich nicht festhalten, sondern erfindet sich immer wieder neu.

Schönheit beseelt, sie berührt die Seele und inspiriert, sie ist das Zusammenspiel von Seele und Körper, von Innen und Außen. Sie kennt keinen Dualismus.

Bei den Pflanzen im Garten nehme ich Licht, Schatten, Formen, Farben, und Vielfalt war, kaum eine Blüte ist wie die andere, sie sehen am Morgen anders aus als am Abend, sie haben unterschiedliche Freunde zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten.

Die Wahrnehmung von Schönheit – auch als biologisches Programm – unterliegt kulturellen Einflüssen und ist daher auch verletzlich.

Es lebe die Vielfalt!
Die Natur macht es uns vor.

 

 


Hochsommer-Impressionen

Und unser Gemüsegarten beschert uns schon im ersten Jahr nach der Baustelle reiche Ernten:

Radiesschen, Erbsen, Salate, Mangold, Zucchini, Blumenkohl, es reifen die ersten Tomaten, später kommen die Bohnen, die Kürbisse, der Kohl…

 

 


Im Garten sein

Ja, vielleicht ist es für die meisten die schönste Arbeit, die es im Garten zu verrichten gibt:
die Ernte!

In diesem Jahr beschenkt uns der Garten besonders reichlich – wie zur Versöhnung und zum Trost für all die Sorgen und Schwierigkeiten, unter denen wir in Zeiten der Covid-19-Pandemie zu leiden haben.

Nach den ersten Radieschen und Erbsen fingen die ersten Salate an, zu schmecken und dann im Juni, kam die wunderbare Beerenzeit!

Erbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren und Maulbeeren, was nicht sofort in den Mündern verschwunden war, reichte sogar noch für den Nachtisch im Kindergarten.

Unsere jüngsten Mitgärtner*innen im Kindergartenalter lassen sich aber nicht lumpen und helfen auch immer eifrig bei Ausaat und Pflege ihrer Beete – es darf nur nicht zu lange dauern.

Dann geht es nämlich unauffällig und fließend weiter zu anderen Aktivitäten, eine/r nach der/m anderen gleitet weg ins Entdecken, Ausprobieren, Suchen und Finden…ins Spiel.

Spielen geht immer, dafür sind keine aufwändige ‚Zeuge‘ und Gerätschaften notwendig, dazu braucht es nur ein anregendes Umfeld, Zeit und Raum.

Entdecken geht im Garten auch immer: wie sieht das verlassene Hummelnest heute aus, wo wir in der letzten Woche beobachtet haben,wie die räuberischen Ameisen die Eier verschleppt haben, was machen die Kompostwürmer, die am Anfang noch so gruselig waren und nun Muttererde (nicht ganz korrekt, aber seit einiger Zeit Gartenlieblingswort) herstellen und wer findet einen Schatz und kennt die besten Abkürzungen?

Natürlich ist es mit Kindern im Garten so, dass die eine oder andere Aussaat daneben geht und das ein oder andere Pflänzchen von Kinderhänden und -füßen erdrückt wird, aber der Garten ist gnädig (und die großen Gärtner*innen auch meistens), er hält das schon aus und schenkt uns neue Pflanzen und Ernten.

Was unsere Natur nicht mehr aushalten will und kann, ist, dass wir Menschen die Beziehung zu ihr verlieren.
Wir sollten daher aufmerksam ihr gegenüber sein und versuchen, mit ihr in Beziehung zu treten, wo immer es uns möglich ist.
Die meisten Familien in den Städten verfügen nicht über einen eigenen Garten, in dem sie und ihre Kinder Naturerfahrungen machen können, dies ist nur einem geringen Anteil unserer Bevölkerung möglich.

(Und auch wenn es hier in diesem Text gerade um die Kinder geht, sollten wir auch all die älteren und alten Menschen nicht vergessen, die zu anderen Zeiten gerne bei uns im Garten auf den Bänken sitzen oder momentan zumindest durch den Zaun hinüberspähen, um sich an der Gartennatur zu erfreuen.)

Wir brauchen diese Freiräume in unseren Städten, dringlicher denn je!
Wie schön also, dass unser Kiez Zentrum Villa Lützow in Tiergarten-Süd über solch einen Garten verfügt.

Für die Kinder, für die Familien, für alle Menschen.


Die Kornrade – Eine Schönheit auf der Roten Liste

Agrostemma githago

Die Kornrade, bis in die 1960er Jahre eine weit verbreitete Ackerbegleitpflanze, ist eine Sommerblume aus der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).
Vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum kommend, hat sie sich einst mit der Sesshaftwerdung der Menschen und dem damit einhergehenden Ackerbau schnell an den Rändern von Getreidefeldern verbreitet.
Ihr Nachteil: sie ist extrem giftig, besonders für Weidevieh wie Rinder, Pferde und Schafe, aber auch für den Menschen.
Ihr Vorteil: sie ist von ausgesuchter, schlichter Schönheit, und ist eine wertvolle Pollen- und Nektarpflanze für Insekten.
Früher war die Agrostemma githago aufgrund ihrer Giftigkeit zu Recht gefürchtet, besonders durch mangelhafte Methoden in der Saatgutreinigung war es nur sehr schlecht möglich, ihre Samenkörner aus der Getreideernte hinauszufiltern, so dass es sogar durch Brotverzehr immer wieder zu Vergiftungen kommen konnte.
Durch den Einsatz von immer effizenteren Maschinen bei der Erntereinigung konnte diese Gefahr zunehmend gebannt werden, der Kornrade wurde jedoch – wie so vielen anderen Ackerbegleitpflanzen – der massive Pestizideinsatz unserer Agrarindustrie zum Verhängnis – in Deutschland steht sie auf der Roten Liste gefärdeter Arten mit der Stufe 1 als vom Aussterben bedroht.

Durch rare Funde und deren Nachzüchtungen konnte sie erhalten bleiben und hat sich in den letzten Jahren ein wenig in Gärten als Schmuckpflanze etablieren können, was ihren Weitererhalt fördert. Mit ihrem kräftigen Magenta-Rosa, das auf Fotos nie so zum Erstrahlen kommt wie in der Wirklichkeit, verschönert sie im frühen Sommer auch unseren Garten.
Ihre Blütezeit wird von Juni bis August angegeben, bei uns gehört sie zu den frühen Blühern im Juni, dananch bilden ihre Samenkapseln noch lange einen aparten Schmuck im Beet.

Was ich erst kürzlich erfahren habe ist, dass die Agrostemma githago sich auch hervorragend zur Gründüngung und als Pionierpflanze auf Böden, die rekultiviert werden müssen, eignet. Sie stellt keine hohen Ansprüche an den Boden, keimt recht schnell und entwickelt sich zügig. Die Kornrade ist in der Lage, die Infektionskette, die sich wegen falscher Fruchtfolge in einem Gartenboden einsgeschlichen hat, zu durchbrechen.
Sie ist in diesem Anwendungsbereiche auch insofern von Wert, dass sie in der Kulturfolge unproblematisch ist (d.h., sie versteht sich mit den meisten anderen) und keine Pflanzenkrankheiten wie zum Beispiel die Kohlhernie überträgt.

Also gibt es einige Gründe, die Kornrade im Garten anzusiedeln, ich glaube, ich mag sie vor allem wegen ihrer Schönheit und möchte sie unterstützen, weil sie vom Aussterben bedroht ist.

Und wieder ein Grund mehr, darüber nachzudenken, wie wir zukünftig Ackerbau betreiben wollen: das Aussterben der Artenvielfalt durch die Anbaumethoden der sogenannten modernen Agragrindustrie hat dramatische Auswirkungen angenommen, bedroht unser gesamtes Ökosystem und beraubt uns in massivem Maße der Schönheiten, die das Leben und die Natur uns bieten.

https://www.gartenlexikon.de/kornrade/

https://www.wildes-berlin.de/kornrade/

https://www.hausgarten.net/gartenpflege/schaedlinge-krankheiten/nematoden.html