2. Aktionstag für eine Verkehrsberuhigung in der nördlichen Steinmetzstraße

Anwohner*innen der nördlichen Steinmetzstraße wenden sich mit dem Appell nach mehr Umweltgerechtigkeit an die Politiker*innen ihres Bezirkes.

Nachdem die Nachbarschaft jahrelang Baustellenlärm- und dreck durch die Errichtung eines neuen Büro- und Gewerbegebietes in der Bülow-, Ecke Steinmetzstraße in Berlin Schöneberg ausgesetzt war, ist es nun der erhöhte Liefer- und Kundenverkehr, der nicht mehr ruhig schlafen und atmen lässt.

Auch wurde die Straße immer beliebter als im wahrsten Sinne des Wortes schnelle Abkürzung zwischen Goeben- und Kürfürstenstraße – so lässt sich die meist dauergestaute Potsdamer Straße umfahren – und somit gefährlich für kleine und große Anwohner*innen.

Steigende schädlichen Umwelteinflüsse durch den stark angewachsenen Durchgangsverkehr und den damit einhergehenden gesundheitlichen Risiken stzen den Anwohner*innen der Starße nun schon seit Jahren zu und sie setzen sich dagegen zur Wehr!

Das 3. Nachhaltigkeitsziel der Agenda 2030- Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

https://www.bmz.de/de/agenda-2030/sdg-3 beinhaltet unter anderem die Senkung der Emissionen von Luftschadstoffen bis 2030 auf 55 Prozent gegenüber 2005.

Der Wunsch: Die Straße soll ruhiger, sicherer, wohngerechter und sauberer werden.
Die Lösung: Eine Sperrung für den Durchgangsverkehr durch Poller auf Höhe der sich gegenüberliegenden Häuser Nr. 77 und Nr. 5.

Dafür geht eine zunehmend große Nachbarschaft engagiert auf die Straße!

Wie es sich anfühlen kann, an einer verkehrsberuhigten Straße zu wohnen, konnte an diesem Freitag im Mai für drei Stunden erfahren werden.

Neben der Demonstration zur Verkehrsberuhigung gab es Raum und Ruhe, um sich zu treffen und kennenzulernen und um gemeinsam aktiv zu werden.

Die behutsame Begrünung der Baumscheiben in der Straße (als ein erster Erfog der Initiative wurden im Dezember 2021 an einem 1. Aktiostag die erfolgreiche Neupflanzung von sieben Straßenbäumen gefeiert) startete schon vor einige Wochen, es wurden bodenverbessernde Gründüngungspflanzen ausgesät, die in einer wöchentlich stattfindenen gemeinsamen Gieß-Aktion von Nachbar*innen gepflegt werden. Auch in bislang zwei Hinterhöfen wurde zu gärtnern begonnen, auch hier wurde mit insektenfreundlichen und bodenverbessernden Aussaaten begonnen.

Dafür ist die Initiative im Gespräch mit der zuständigen Hausverwaltung GEWOBAG, wir hoffen, es ergeben sich weitere Möglichkeite, die Hinterthöfe naturah zu gestalten, so dass Menschen und Tiere in der Stadt sich daran erfreuen können und wir die Artenvielfalt und Biodiversität in der Stadt erhöhen können.

In einer Mitmachaktion konnten Tontöpfe mit insektenfreundlichen Blühpflanzenmischungen für die Balkone zuhause ausgesät werden.
Auch konnten sich Interessierte über die insekten- und vogelfreundliche Gestaltung von Baumscheiben, Balkonen und Höfen informieren.

Die Straße wurde zum Treffpunkt für die Menschen, die hier wohnen, es wurde gemalt und gespielt und sich über Wünsche und Ziele zu einer lebenswerten Staße ausgetauscht.
Es hat Spaß gemacht, miteinander ins Gespräch zu kommen und ja, mehr Spaß brauchen wir auf jeden Fall in einer lebendigen Nachbarschaft!

Das 11. Nachhaltigkeitsziel der Agenda 2030- Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

https://www.bmz.de/de/agenda-2030/sdg-11 enthält neben vielen anderen Punkten “aus deutscher Sicht drei Kernaufgaben von besonderer Bedeutung: Städte als Entwicklungsakteure anerkennen und befähigen. Lebenswerte Städte für alle Menschen schaffen. Integrierte Stadtentwicklung verwirklichen.”

Damit kann in der nördlichen Steinmetzstraße in Berlin Schöneberg sofort begonnen werden!

wird gefördert durch:


Aktionstag Initiative Steinmetzstraße


Für Umweltgerechtigkeit und einen lebenswerten Kiez

Die Initiative Steinmetzkiez steinmetzkiez.org

engagiert sich seit dem Herbst 2018 für mehr Umweltgerechtigkeit, ein gutes nachbarschaftliches Miteinander und insbesondere eine Verkehrsreduzierung ihrer Straße.

Es geht den Mitglieder*innen der Initiative um weniger Umweltbelastungen und Verkehr, mehr Sicherheit und Lebensqualität – für alle, die im Steinmetzkiez leben, arbeiten, lernen oder einfach nur hier entlangspazieren!

Der Weg dahin ist eine Sperrung für den Durchgangsverkehr durch Poller auf Höhe der sich gegenüberliegenden Häuser Nr. 77 und Nr. 5.
Dann kann die Steinmetzstraße nach wie vor von beiden Seiten befahren werden, von der Bülow- und der Kurfürstenstraße. Durch die Poller wird jedoch erreicht, dass neben dem vermehrten Verkehr für die neuen Unternehmen und Geschäfte nicht auch noch der Durchgangsverkehr zunimmt. Radfahrende können die Steinmetzstraße weiter durchfahren, für die Anwohner*innen bleiben genügend Parkplätze erhalten.

Seit März 2022 kooperiert das Team wachsenlassen mit der Initiative Steinmetzkiez und wir engagieren uns nun gemeinsam für einen lebenswerten Kiez in der nördlichen Steinmetzstraße in Berlin Schöneberg!

Am 6.4.2022 haben wir damit begonnen, die Baumscheiben in dem für eine Sperrung des Durchgangsverkehr vorgesehenen Bereiches zu begrünen.

Baumscheiben in der Stadt sind eine Herausforderung für sich.

Es gibt – berechtigterweise! – einige Auflagen von Seiten der zuständigen Grünflächenämter und sie sind, neben der Rücksichtsnahme auf die an ihnen ansässigen Bäume, einem enormen Druck durch die Nutzung unserer Straßen und Gehwege ausgesetzt.

Wer von uns Stadtmenschen empfindet schon diesen, für unsere Bäume viel zu kleinen unversiegelten Versorgungsbereich, als schützenswerte Stadtnatur?

Meist sind es kahle, völlig verfestigte Bodenbereiche, die der Notdurf unserer Stadthunde und der Ansammlung von Zigarettenkippen und anderem Müll dienen und die zudem bei immer weniger und immer häufiger als Starkregen niederkommenden Regenfällen unsere Stadtbäume versorgen sollen.

Können sie nur sehr notdürftig. Dafür sind sie zu klein.


Eine mögliche Lösung:
Mehr Entsiegelung in unseren Städten – heißt auch: größere Baumscheiben, mehr Biodiversität, mehr Lebensräume für Vögel und Insekten!

Wir haben uns dazu entschlossen, die Baumscheiben, die den ‘grünen Korridor’ der angestrebten Verkehrsberuhigung berühren, mit Gründüngungspflanzen auszusäen, um dem beschädigten Boden erst einmal die Möglichkeit zur Heilung zu geben.

Vor der Aussaat ging es erst einmal ums Entmüllen und Säubern. Danach haben wir den Boden vorsichtig aufgeraut und die Gründüngung ausgebracht.

Gründüngungspflanzen haben je nach ihrer Art unterschiedliche bodenverbessernde Eigenschaften und stören den anwohnenden Baum nicht in seinem Wachstum. Sie sind Stickstoffsammler, sorgen für eine tiefe Bodendurchwurzelung, verbessern die Bodengare (das ist in der Landwirtschaft der Idealzustand eines fruchtbaren Bodens) und sind gut für Nützlinge.

Sie erfreuen durch ihre reiche Blüte Menschen, Insekten und Vögel.

Sie sind mehr ein Beitrag zur Biodiversität in der Stadt als eine Pflege der Bäume, wobei sie diese in ihrem Dasein unterstützen, indem sie den Boden vor Auswaschung und Erosion schützen.

Aussaaten auf Baumscheiben im öffentlichen Raum sind noch einmal ein besonderes Wagnis, weil sie über eine lange Zeit (ca. 4 Wochen) im Zeitraum ihres Keimens uns Wachsens sehr verletzlich und unauffällig sind.

Sie werden nicht gesehen (so tritt man/frau gerne auf ihnen herum) und müssen regelmässig gewässert werden.
Wenn sie diesen Zeitraum überlebt haben, erweisen sie sich in der Regel als sehr robust.

Also hoffen wir auch hier auf eine gute Nachbarschaft, um die nächsten Wochen zu überleben!

Aber genau darum geht es ja bei der Steinmetz-Initiative.

Parallel zu den Begrünungen der Baumscheiben freuen wir uns darüber, auch (zuerst einmal) zwei Höfe in der Steinmetzstraße (Nr. 4-5 und Nr. 76-77) mit Einverständnis der zuständigen Hausverwaltung GEWOBAG mit neuem Boden-Leben erfüllen zu dürfen.

Begonnen haben wir in den Höfen Steinmetzstraße 4-5.

Hier finden sich schon einige von Anwohnern liebevoll gestaltete Nischen und die Resonanz einiger Mieter*innen, ihren Hof naturnäher zu kultivieren, war sehr erfreulich.

Da der Boden im Hof sehr verarmt und ausgebrannt ist, haben wir uns auch hier dazu entschlossen, erst einmal mit Gründüngungen zu arbeiten, um Heilung herbei zu führen.

Wir werden schauen, wie sich die Zusmmenarbeit mit der Hausverwaltung und der damit verbundenen Logistik der ‘Grünpflege’ entwickelt, bevor insekten- und vogelfreundliche (und somit menschenfreundliche) Pflanzungen von Gehölzen oder Stauden vorgenommen werden können.

Unsere Städte werden immer mehr verdichtet, trotz des benötigten Wohnraums sollten wir unbedingt darauf achten, Lebensqualität, Orte der Erholung und des Durchatmens für Menschen und Tiere zu erhalten.
Es ist dringend geboten, Biodiversität und Artevielfalt in der Stadt zu fördern, zu erhöhen und zu erhalten.
Was bleibt uns noch außer unseren Hinterhöfen, Baumscheiben, Kleingartenanlagen und Parks?
Immerhin ein großes Potential, das wir sinnvoll nutzen sollten, bevor es zu spät ist.

Orte der Begegnung und des vielfältige Lebens, wir möchten sie in der Steinmetzstraße und hoffentlich auch woanderswo schaffen und/oder erhalten!

Aktuelle Informationen zur Initiative Steinmetzkiez finden sich unter steinmetzkiez.org und wachsenlassen.com.

Wir freuen uns über Mitgestalter*innen in Stadtgärten und im Kiez!