Vielfalt auf kleinstem Raum


Seit April dieses Jahres werden auf der nördlichen Steinmetzstraße so viele Baumscheiben wie möglich nachbarschaftlich gepflegt. Dies ist eine gemeinschaftliche Aktion im Rahmen des Projektes Steinmetz for Future, das die Verkehrsberuhigung der Straße zwischen Bülowstraße und Kurfürstestraße zum Ziel hat.

Beim gestrigen Besuch der Baumscheiben war ich dann doch beeindruckt von der Vielfalt an Pflanzen, die nach einem knappen halben Jahr Pflege gesichtet werden konnte.

Hier eine Auflistung der vorgefundenen Arten:

Der Gundermann (Glechoma hederacea)

ist eine meiner Lieblingspflanzen, ein wunderbarer Bodendecker und wichtige Insektennahrung mit entzückenden Blüten, man muss sich nur mal bücken können und wollen.

www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/gundermann/

Die Brennessel (Urtica)

ist eine allgemein immer noch extrem verpönte Pflanze mit starker Heilkraft. Eigentlich bräuchten wir keine Quinoa-Samen mehr kaufen. Erntet einfach Brennesselsamen an verkehrsberuhigten Orten.

Übrigens: Für rund 50 Schmetterlingsarten im Raupenstadium sind Brennnesseln eine Futterpflanze, auf die sie angewiesen sind. Einige Schmetterlingsraupen können sich ohne Brennnesseln nicht zu Schmetterlingen entwickeln – darunter die Raupe des bekannten Tagpfauenauges. Erwachsene Falter kommen meist gut mit unseren Umweltbedingungen zurecht, weil sie kaum spezialisiert sind und viele verschiedene Pflanzen mögen. Die Raupen hingegen brauchen unbedingt Brennnesseln, bis sie sich mehrmals gehäutet und verpuppt haben. Bis der Schmetterling schlüpft, können über sechs Wochen vergehen. https://www.peta.de/themen/brennnessel-schmetterling/

www.gesundfit.de/heilkraeuter-heilpflanzen/brennnessel

Die zur Zeit blühende

Tagetes

wurde von uns als Gründüngung ausgesät.

In Nutzgärten und Obstplantagen dient die Tagetes als Helferpflanze. Erdbeeren erhalten ein stärkeres Aroma, und Tagetes dient als Schneckenköder, der Nachbarpflanzen vor Schneckenfraß schützt.[11] Durch die Anpflanzung von Tagetes kann die durch Nematoden verursachte „Bodenmüdigkeit“ mit Erfolg bekämpft werden, die zur Reduzierung von Ernteerträgen bei Nutzpflanzen führt.[12]

Tagetes wird außerhalb von Gärten für Blühstreifen und Wildäcker genutzt und fungiert als Schneise zwischen Maisäckern. In erster Linie geht es darum, dem fortschreitenden Verlust von Nahrungsquellen und Lebensräumen für viele wildlebende Tiere entgegenzuwirken sowie die Landschaft ökologisch und optisch aufzuwerten. Die Tagetes sollte jedoch sparsam eingesetzt werden, kann bei einigen Tieren auch zu Vergiftungen führen, wenn sie in zu großen Mengen vorhanden ist.

Die Melde (Atriplex)

scheint in unseren Breitengraden zu den Gewinnern des Klimawandels zu gehören, man sieht sie allerorts in der Stadt sprießen.

Die Melden-Arten sind Nahrungspflanzen für die Raupen zahlreicher Schmetterlinge (Lepidoptera)

Zahlreiche Meldenarten sind essbar. Die Gartenmelde wird seit langem als Gemüse verwendet

Der Färberamaranth (Amaranthus gangeticus)

hat sich aus der verwendeten Erde aus unserem Gemeinschaftsgarten wachsenlassen in die Baumscheiben geschmuggelt. Warum nicht? Er sieht sehr schön aus mit seiner tiefroten Farbe und ist auch noch essbar (nach der Verkehrsberuhigung)

https://templiner-kraeutergarten.de/Amaranthus-gangeticus-Faerber-Amarant-Hopi-Bio-Saatgut

Das Franzosenkraut (Galinsoga )

ist ebenfalls immer häufiger bei uns anzutreffen und trotzt bislang jeder Hitzewelle und Trockenheitsstress.

Gehaltvolles und wohlschmeckendes Wildkraut!

www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/kleinbluetiges-und-behaartes-knopfkraut-franzosenkraut

Die Sonnenblume (Helianthus annuus)

stammt auch aus unserer Gründüngungsmischung und ist aufgrund ihrer tiefen Wurzelung mit Rücksicht auf die Bäume nur sparsam auszusäen, aber sie erfreut nun einmal unser Herz durch ihre schönen Blüten und die Stadtvögel mögen sicherlich ihre reichhaltigen Samen!

Sie ist sehr photosyntheseaktiv, eine große Pflanze bindet pro Tag das in einem Raum von 100 Kubikmetern vorhandene Kohlendioxid.

Der Hornklee (Lotus)

ist auch in unseren ausgesäten Gründüngungpflanzen vorhanden.

Er überwintert und wir sind auf seie Entwicklung im nächsten Jahr gespannt. Gute Bienenpflanze.

www.bingenheimersaatgut.de/de/bio-saatgut/gruenduengung/hornklee-d521

Das Gewöhnliches Seifenkraut (Saponaria officinalis)

ist die erste Staude, die wir in zwei Baumscheiben gepflanzt haben (der Gundermann hat sich dazu geschmuggelt) und ja, man kann aus ihr wirklich Waschmittel herstellen!

www.kraeuter-buch.de/kraeuter/Seifenkraut.html

Bei dem Süßgras (Poaceae = Gramineae)

vermuten wir, dass es sich irgendwie durch Vogelfutter in unsere Baumscheiben eingeschlichen hat, wo soll es sonst herkommem?

Viele Arten der Süßgräser gehören zu den ältesten Nutzpflanzen und sind seit alters für den Menschen von lebenswichtiger Bedeutung. Alle Getreide wie Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Hirse, Mais und Reis zählen zu dieser Pflanzengruppe. Sie stellen in Form von Marktfrüchten oder als Viehfutter in der Veredelung heute die Basis für die Ernährung der Weltbevölkerung dar. Als Gras- oder Grünland wie Wiesen und Weiden, aber auch Steppen und Savannen prägen sie in weiten Teilen der Erde das Landschaftsbild.

Ich empfehle: Geflochtenes Süßgras von Robin Wall Kimmerer

Trost in schweren Zeiten.

www.aufbau-verlage.de/aufbau/geflochtenes-sussgras/978-3-351-03873-1

Der Beifuß (Artemisia vulgaris)

ist ein heilbringendes Kraut, das sich bei uns ausnehmend wohlfüht und dem Klimawandel strotzt, aus der großen Artemisia-Familie.

Häufig übersehen und immer noch aus Unkraut dirskriminiert. Wir sollten ihn mehr schätzen.

www.heilpraxisnet.de/heilpflanzen/beifuss/

Die Rote Taubnessel (Lamium purpureum)

ist liebenswert und im Frühjahr unverzichtbar als frühe Bienenweide. Hat sie sich selbst ausgesät oder haben wir sie aus unserem Garten mitgebracht?

www. wachsenlassen.com/2021/04/10/purpurrote-taubnessel-lamium-purpureum/

Die Phazelia

ist der Bienenfreund, wie der deutsche Namen sagt, hat aber auch noch einige andere andere gute Eigenschaften, von uns ausgesaät.

www.bingenheimersaatgut.de/de/bio-saatgut/gruenduengung/phazelie-d10

Die Wilde Malve (Malva sylvestris)

haben wir wohl Jens zu verdanken, der sie im einen der letzten Jahre ausgesät hat.

Sie erfreut uns durch ihre aparte und ausdauernde Schönheit und ist eine wichtige Heil- und Gemüsepflanzen, die sich auch unter wiedrigen Umständen durchzusetzen vermag.

www.kostbarenatur.net/anwendung-und-inhaltsstoffe/wilde-malve/

Es wurde noch eine bislang unbekannte Hirse gesichtet, wahrscheinlich auch durch Vögel verbreitet. Deren Name müsse wir noch herausfinden.

Die im ersten Jahr entstandene Vielfalt kann nicht auf diesen kleinen Flächen erhalten werden, wir werden schauen, wie sich in den nächsten Jahren möglichst ein Gleichgewicht wird entwickeln können.

Unsere Stadtbäume, auf ihren viel zu kleinen deren Baumscheiben, profitieren von der regelmäßigen Wässerung, dem Schutz vor Auswaschung und Erosion durch den krautigen Bewuchs und von der Erhöhung der Artenvielfalt wahrscheinlich auch in der einen oder anderen Form.

Was ihnen wohl mehr helfen würde: So viel Entsiegelung wie möglich, größere Baumscheiben, mehr Mut zum Grün in der Stadt!

Mehr zu unserer Baumscheibenpflege und deren weiterer Verschönerung am 25.8., dem nächsten nachbarschaftlichen Aktionstag zur Verkehrsberuhigung der nördlichen Steimetzstraße.



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