Bau eines Lehmteiches

Himmelsteich oder Lehmpfütze?

Lange schon hatten wir überlegt, wie wir das Element Wasser in unseren Garten integrieren könnten.

Da wir keine Möglichkeit haben, Regenwasser von Dachrinnen aufzufangen, um es in einen Teich leiten zu können und auch nicht mit einer Folie arbeiten wollten, haben wir uns nach viel Recherche auf das Wagnis Lehmteich eingelassen.

Wobei es sich bei uns eher um einen Tümpel handelt, oder, poetischer ausgedrückt: um einen Himmelsteich.

Ein Tümpel ist ein kleines, stehendes Gewässer, das sich durch eine geringe Wassertiefe und einen oft wechselnden Wasserstand auszeichnet. Im Gegensatz zu Teichen sind Tümpel in der Regel flacher und können sogar zeitweise austrocknen. Tümpel speisen sich häufig nur durch Regenwasser und das erklärt den schönen Namen Himmelsteich: es ist das Wasser, das vom Himmel fällt, das diesen Teich füllt.

Eine Feuchtzone zu schaffen, die zeitweise auch trockenfallen kann, erschien uns als Möglichkeit, einen reizvollen neuen Lebensbereich in unserem Garten zu schaffen, weil gewisse Pflanzen und Tiere auf solche Bereiche spezialisiert sind.

Es gibt einige Pflanzen, die wechselfeuchte Standorte mögen, bei uns stehen jetzt u.a. Blutweiderich, Wasserdost, Sumpf-Wolfsmilch und Sumpfdotterblume in diesem Bereich.

Und feuchter Lehm ist ein äußerst beliebter Matsch bei vielen Insekten. Viele Wildbienen benötigen ihn zum Nestbau, einige von ihnen sind sogar auf dieses Material spezialisiert.

Im November letzten Jahres machten wir uns an die Arbeit.

Nicht einfach war es für uns, eine nicht zu steile Grube auszuheben (was uns auch nicht gelungen ist, um es vorneweg zu sagen) und entsprechende Terassierungen miteinzubauen. Sollte doch das später aufzutragende Lehmgranulat gut halten und eine ausreichend flache Zone für spätere Bepflanzungen und zum leichteren Eintritt von Insekten und anderen Tieren vorhanden sein.

Das Lehmgranultat wurde in mehreren Schichten aufgetragen und zwischendurch immer wieder festgestampft, damit es (hoffentlich) gut das Wasser halten würde.

Dies hat einige Bauzeit in Anspruch genommen, aber rechtzeitig zum Jahresende waren die Grundarbeiten fertig.

Irgendwann waren die Temperaturen dann auch so, dass es dann wirklich keinen Spaß mehr gemacht hat, im Möchte-Gern-Teich zu matschen…

Im Frühjahr 2026 ging es dann endlich weiter.

Nun konnten wir das Lehm-Sandgemisch auftragen, das als Pflanzsubstrat dienen würde und die wunderschöne Gitterkonstruktion zur Absicherung der Wasserstellen wurde geliefert.

Schließlich befindet sich unser Garten auf einem Gelände des Jugendamtes Berlin Mitte und viele Kinder lieben unseren Garten und halten sich oft in ihm auf.

Hier noch einmal vielen Dank an die Metallbaufirma De Nobile für Entwurf und Gestaltung unserer Teichspinne!

Nach der Installation des Gitters ging es ans Bepflanzen und an die Verschönerung mit Steinen und Totholzelementen.

Zu unserer Überraschung und Freude stellten sich zeitig in diesem Jahr viele Insekten an unserer Lehmstelle ein. Wir konnten die rote und die gehörnte Mauerbiene beobachten, die sich Material zu Versiegelung ihrer Niströhren beschafften, gefolgt von Grabwespen und vielen anderen, von uns leider nicht zu identifizierenden Insekten. (falls es eine Entomolgin/ Entomologen unter unserern Lesern gibt: Herzlich willkommen in unserem Garten!!)

In einem größeren Arbeitseinsatz haben wir dann die Kieslieferung zügig bewältigt und es hat sehr viel Spaß gemacht, die Umgebung des Teiches dadurch noch einmal zu verschönern.

Vervollständigt wurde unser Himmelsteich durch einen Steg zur Überquerung und passender Bepflanzung des Umfeldes.

Nun erfeuern wir uns schon seit einigen Monaten an diesem neuen Naturgartenmodul in unserem Garten.

Immer wieder gibt es neue Entdeckungen und wir sind gespannt, wie unser Lehmtümpel sich weiter entwickeln wird.

Bislang hält er gut dicht, wobei die Verdunstungen bei den zeitweise extrem hohen Temperaturen in den Sommermonaten sehr stark sind, aber genau so etwas ist ja auch interessant zu beobachten.

Seit drei Jahren arbeiten wir konsequent daran, unseren Garten in einen Natur-Schaugarten in der Stadt umzuwandeln, um zu zeigen, wie Gärtnern im Klimawandel gelingen kann und was wir alle dazu beitragen können, um die Biodiversität in der Stadt zu fördern und zu erhalten.

Der dramatische Artenschwund und der damit einhergehende Verlust an Biodiversität ist ein Problem, das uns alle angeht.
Das einzig Gute in dieser schwierigen Situation ist: Wir alle können etwas dagegen tun!

Die von uns bisher eingebrachten Naturgartenelemente bieten viele Lebensbereiche für Pflanzen und Tiere. Zusätzlich zu den vorhandenen Elementen wie Totholz, Schattsaum mit regionalen Stauden, Lehmtümpel, vielen einheimischen Wildpflanzen und Gehölzen (da brauchen wir noch mehr!), Kräutergarten mit einheimischen und mediterranen Kräutern und Wildblumenwiese werden wir im September/ Oktober einen Magerstandort als Sandarium installieren.

Und für das nächste Jahr ist der Bau einer Trockenmauer geplant.

Ich danke unseren Mitgärtner*innen, die sich gemeinsam mit uns aktiv im Natur- und Umweltschutz zuverlässig und mit viel Engagement einbringen.

Unser Gemeinschaftsgarten ist nur möglich durch eurer ehrenamtliches Engagement!

Wer bei uns mitmachen möchte, ist herzlich willkommen!

Einfach eine Nachricht an: stadtnatur@wachsenlassen.com

Ebenso einen herzlichen Dank an Ute Stumm, Zukunftslust e.V. für ihre tatkräftige und fachliche Unterstützung!

Wir danken der Postcode Lotterie für die Förderung unserer Arbeit

 

 


Naturnahes Gärtnern im Weltengarten Werder

 

Ein schöner Termin, um einen Ausflug in den Weltengarten in Werder https://weltgartenwerder.de/

zu unternehmen und mehr über naturnahes Gärtnern zu erfahren:

Sonntag 14.6.15:15 Uhr

Naturnahes Gärtnern – Ihr Beitrag zur Artenvielfalt
Vortrag/Führung mit Henriette Buegger

VHS Veranstaltung

Anmeldungen unter:

https://www.kvhs-pm.de/kurs/politik-gesellschaft-umwelt/nachhaltigkeit-umwelt-oekologie/naturnahes-gaertnern-ihr-beitrag-zur-artenvielfalt/F26W10400

Der Weltengarten ist gut mit der RE 1 + Bus (hält direkt vor dem Garteneingang) zu erreichen. (Von Berlin Hbf in ca. 40 Minuten)


Aktueller Spendenaufruf! – Vorschrift will Gemüse fressen

 

Aufgrund aktualisierter Hygiene- und Brandschutzverordnungen im Kiez Zentrum Villa Lützow ist es uns leider nicht mehr möglich, die Gemüsepflanzen für unseren Gemeinschaftsgarten wie gewohnt in dem bisher genutzen Raum zu Beginn der Saison vorzuziehen.

Nach langem Suchen haben wir mit Unterstützung der Hauskoordination eine Stelle gefunden, in dem dies weiterhin möglich sein kann, aber nur unter der Auflage, dass die für die Vorzucht verwendeten Gefäße feuerfest sein müssen.

Die Methode, diese bisher in recycelten Materialien wie gebrauchten Plastikschalen oder Eierkartons anzuziehen, ist mit den neuen Verodnungen hinfällig.

Wir haben recherchiert und als einzige Möglichkeit ergibt sich die Anzucht in verzinkten Anzuchtschalen, eine sehr nachhaltige und ansprechende Lösung, die aber auch Geld kostet, das wir momentan nicht zur Verfügung haben.

Unser Gemeinschaftsgarten finanziert sich ausschließlich über Spenden, Fördermittel und Stiftungsgelder und wir haben für dieses Jahr noch keinen Sachmitteletat, über den eine solche Anschaffung möglich wäre.

Zudem müssen auch noch entsprechende feuerfeste Tontöpfe angeschafft werden, um die Keimlinge nach dem Pikieren umzupflanzen

Alles in allem benötigen wir eine einmalige Summe von 250,00 €,
um den Gemüseanbau in unserem Garten weiterhin durchführen zu können.

Dieser Anbau aus samenfesten, zum Teil im eigenen Garten geerntetem Saatgut, ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Wir pflegen die Beete gemeinsam mit unseren Kindergartengruppen und freiwillig engagierten Mitgärtner*innen, um zu zeigen, dass ökologischer Gemüseanbau in der Stadt auch auf kleiner Fläche möglich ist, um hautnah zu erfahren, wo unsere Lebensmittel eigentlich herkommen, um alte Kultursorten zu erhalten und nicht zuletzt, um unser eigenes Gemüse bei gemeinsamen Essen zu genießen.

Deshalb bitte wir alle Freund*innen und Unterstützer*innen unseres Gemeinschaftsgartens in Berlin Tiergarten-Süd, für uns zu spenden, damit wir uns diese nachhaltige Anzuchtversion anschaffen können.

Jeder noch so kleine Betrag bringt unser näher ans Ziel, die Zeit läuft. Ende Februar müssen wir mit den ersten Aussaaten beginnen!
Bitte unterstützt unsere Arbeit!

Herzlichen Dank!

Euer Team wachsenlassen

Spenden einfach über betterplace.org:

https://www.betterplace.org/de/projects/83319-gemeinschaftsgarten-wachsenlassen-wir-foerdern-biodiversitaet-in-der-stadt/news/360387

 

 


Save the date! Gartenfest im Gemeinschaftsgarten wachsenlassen


Vortrag: Wohnquartiere naturnah.

Wie kann ich meinen Garten, Balkon oder Hof naturnah gestalten?
Wie schaffe ich Akzeptanz? Wie gelingt die Pflege?

In ihrem reich bebilderten Vortrag mit anschließendem Erfahrungsaustausch beschreibt Corinna Hölzer Stolpersteine und Erfolge, wenn es darum geht, aus ödem Abstandsgrün ökologisch wertvolle Oasen zu schaffen. Im Wohnumfeld wird man ständig von Mietern und Hauswarten kritisch beäugt, muss erklären und geduldig sein. GaLaBau-Pflegefirmen müssen an die neuen naturnahen Flächen herangeführt werden, eine Herausforderung.

Dr. Corinna Hölzer ist Biologin und Mit-Gründerin der Stiftung für Mensch und Umwelt, bekannt durch deren Initiative „Deutschland summt!“ und das Projekt „Treffpunkt Vielfalt – Naturnahe Freiflächen in Wohnquartieren“, Berlin.

Freitag, den 22. März 2024
18.30 Uhr im Saal des Kiez Zentrums Villa Lützow
Lützowstraße 28
10785 Berlin
 

Viele Anregungen zum Thema finden sich unter:
https://stiftung-mensch-umwelt.de/veroeffentlichungen.html

Die Veranstaltung ist kostenfrei.


(K)ein Platz für wilde Tiere!

Wenn von wilden Tieren die Rede ist, denken die meisten von uns wahrscheinlich an Löwen, Tieger, Elefanten…..Eisbären…alle in ihrer Existenz bedroht und unterstützungbedürftig und sehr weit weg….

Denn: was ist eigentlich mit unserer einheimischen Natur und ihren wilden Tieren?


Was ist mit Gartenschläfer, Ringelnatter, Hufeisennase, Kiebitz, Iltis, der Waldbirkenmaus, der Smaragdeidechse, der Zauneidechse, der Waldeidechse, der Mauereidechse, dem Birkhuhn, dem Auerhuhn, der Sumpfohreule, der Turteltaube, dem Braunkehlchen, dem Gartenrotschwanz, dem Kuckuck, dem Feldsperling, dem Haussperling, dem Laubfrosch, der Kreuzkröte, dem Alpenschnegel, der Wald-Schnirkleschnecke….

… eine Rote Liste Berlin für Weichtiere aus dem Jahr 2016 (!) besagt, dass ca. 40 Prozent der Land- und Wasserschnecken und ca. 44 Prozent der Muscheln bedroht sind.

Aktuell stehen in Bayer knapp 70 Prozent der heimischen Schnecken- und Muschelarten stehen auf der Roten Liste.

Was ist mit den vielen Spinnen, Asseln, Käfer, Tag- und Nachtfaltern, Grashüpfern, Würmern, die so wichtig für unsere Ökosysteme deren Verschwinden die Menschen kaum wahrnehmen?

Die gemeinsam mit ihren schwindenden Lebensräumen lautlos verschwinden und bitterlich fehlen…

Viele von diesen unscheinbaren Tieren beseelen unseren Naturgarten, wir freuen und wundern uns über alles, was kreucht, fleucht, brummt und fliegt und versuchen nun schon seit 13 schönen Jahren, ihnen mitten in der Stadt Lebensräume zu bieten.

Was braucht ein Naturgarten?

Totholz.

In jeglicher Form.
Am besten als vertikales Totholz, aber da kommt uns immer wieder die Verkehrssicherheit in die Quere und es braucht immer wieder neue und ausführliche Gespräche, um gefällte Bäume wenigstens auf zwei Meter stehen lasse
n zu dürfen, auch da, wo sie so stehen, dass sie eigentlich keine*r auf den Kopf fallen können, wenn er/sie vorbei läuft.

Aber auch Holzstapel oder Holz aus Beete-und Wegeumrandung bieten für viele Insekten Lebensraum.

Brachen, “leere” Flächen, Lehm

Ein großes Problem für die Natur in der Stadt ist die übermäßige Versiegelung der Flächen. Alles schön aufgeraumt und (mit Laubläsern (!)) bestens zu reinigen.

Viele Wildbienen und andere Lebewesen brauchen Brachen und natürliche Baustoffe wie Sand und Lehm als Lebensraum und Nistplatz.

So etwas zu zulassen oder zu installieren ist sogar auf Balkonen möglich: eine kleine Schale mit Lehm kann überall aufgestellt werden.

‘was für Tiere stehen lassen

Ich bin mir nicht sicher, warum uns seit Jahrzehnten suggeriert wird, den Garten ‘winterfest’ zu machen, bedeute, alles aufzuräumen, was in irgendeiner Form als ‘unordentlich’ empfunden werden könnte.

Deutscher Ordnungssinn? Die Kettensägen-, Laubbläser- und Hecksler-Industrie?

Auf jeden Fall: Viele kleine Tiere benötigen abgestorbene Pflanzenteile und Blütenstände als Überwinterungsmöglichkeit. Vögel und andere Tiere freuen sich über stehengelassene Samenstände und auch ein paar Maiskolben und Johannisbeeren und andere Früchte kann man freundlicherweise auch für die Tiere des Gartens stehen lassen. Früher gab es dazu sogar deutsches Liedgut: “heut lasst uns ernten die allerletzen Felder…….Vögelchen und Mäuschen bekommen auch noch etwas ab…”

Sehen zudem auch wunderschön aus mit ihren Formen und Farben.

Winterfest bedeutet in unserem Naturgarten (neben dem Schläuche einrollen und ins Haus bringen und Sitzmöbel abdecken): Laub vom Rasen auf die Beete fegen, Laubhaufen für Igel und Co aufschichten (macht übrigens besonders mit Kindern eine Menge Spaß!).

Ich glaube, das war’s im Großen und Ganzen.

Essen und Trinken zu jeder Jahreszeit

Dass der Garten (oder Balkon) zu jeder Jahreszeit vom Frühblüher im März bis zu den Astern als Spätblühern bis in den November hinein Nahrung für Wildbienen bieten sollte, spricht sich mehr und mehr herum.
Also: Vielfalt lässt sich pflanzen!

Dass auch Insekten Durst haben, wird häufig vergessen.

Daher: Neben den Vogeltränken auch Insektentränken im Garten, auf Balkonen und Höfen anlegen. Geht ganz einfach, Kinder und Erwachsene haben Spaß bei der kreativen Herstellung und schön aussehen tut es auch.

Steinbiotope, durchlässige Ritzen und Fugen für Pflanzen und Tiere; Recyclingmaterialien

Mit viel Engagement und Muskelkraft (ein ganzes – geschenktes – Dach aus Spandau wurde nach Berlin Mitte transportiert) unserer Mitgärtner*innen haben wir in diesem Jahr neue Hochbeete in unserem Garten installiert.

Wir wollten weg von der kastenförmigen Bauweise mit Paletten und geschwungene Formen in unserem Garten installieren und suchten nach Möglichkeiten, die Hochbeete durchlässig zu gestalten, so dass auch Tiere und Pflanzen in den Ritzen Lebensräume finden können.
In den aufgeschichteten Dachziegeln wurde neben Erde auch eine Schicht Lehm eingebaut, bei der Mischung mit Sand haben wir mit unterschiedlichen Mischverhältnissen, die für Insektennistplätze empfohlen werden, experimentiert.

Natürlich verfügen die Hochbeete auch über ein entsprechendes Innenleben, zum Hochbeetbau folgt hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft ein gesonderter Bericht.

Wir sollten überall da, wo wir die Möglichkeiten haben, mit recycelten (Natur-) materialien arbeiten.

Viel zu viel von Menschen verursachter Müll auf dieser Welt.


Das bedeutet natürlich auch (körperliche) Arbeit, Transport, Organisation, aber es lohnt sich und eigentlich macht es dem Menschen sogar Spaß, sich zu bewegen.
Muss man halt nicht in ein dröges Fitness-Studio.

Wir hoffen sehr, dass sich viele Tiere und einheimische Pflanzen in all den Ritzen und Fugen einnisten werden.

In diesem Zusammenhang haben wir auch mit den Kindergartenkindern in unserem Garten eine Krabblerburg errichtet.


Mit Innenleben zum Rückzug und Möglichkeiten zum Sonnenbaden in den Außenbereichen. Und hoffentlich kommt die Zauneidechse zurück, die ich im Spätsommer dieses Jahres in unserem Garten gesichtet habe, weiß der Teufel, wie sie den Weg in unseren
Garten gefunden hat.

Was ihr sonst noch in euren Naturgärten machen könnt: Blühwiesen aussäen!

Eine Miniform von so etwas geht auch im Blumenkasten auf der Fensterbank.

Wichtig auch hierbei: auf regionales Saatgut achten!

Da wird man im Internet unter regionales Saatgut mittlerweile gut fündig, wenn amn passende Anbieter sucht. Auf die bunten Tütchen aus dem Baumarkt sollte man verzichten.

“Liebe Freunde,

Die Menschheit führt Krieg gegen die Natur.

Das ist Selbstmord.

Die Natur schlägt immer zurück – und das bereits mit wachsender Kraft und Wut.

Die Artenvielfalt bricht zusammen. Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht.

Ökosysteme verschwinden vor unseren Augen.

Wüsten breiten sich aus.

Feuchtgebiete gehen verloren.

Jedes Jahr verlieren wir 10 Millionen Hektar Wald….”

Anfangsworte der Ansprache des Generalsekretärs Antonio Guterres an der Columbia University: „Der Zustand des Planeten“
New York 02. Dezember 2020

https://www.un.org/sg/en/content/sg/speeches/2020-12-02/address-columbia-university-the-state-of-the-planet

Wer Lust hat, sich gemeinsam mit uns für Biodiversität und Stadtnatur zu engagieren, schreibe an uns unter:

wachsenlassen@web.de

Und finanziell kann man uns ganz leicht unterstützen unter:

https://www.betterplace.org/de/projects/83319-gemeinschaftsgarten-wachsenlassen-artenvielfalt-erhalten


VORANKÜNDIGUNG: SAVE THE DATE!

Jetzt beginnt wieder die Pflanzzeit und vielleicht soll das eine oder andere Plätzchen im Garten, auf Balkonen oder auch in der Wohnug für neue Schätze frei geräumt werden.

Daher laden wir ein zum

Pflanzentauschmarkt am Freitag, den 20.10.2023

16.00 – 19.00 Uhr

im Raum wachsenlassen und im Foyer des
Kiez Zentrums Villa Lützow

Lützowstraße 28
10785 Berlin

tauschen, verschenken, weitergeben:
ob zu groß gewordene und geteilte Stauden aus Gärten und von Balkonen oder auch zu viel gewordene Zimmerpflanzen… wir freuen uns auf Gärtner*innen aus Berlin und dem Umland!

Auch wer keine eigenen Pflanzen abzugeben hat, ist herzlich zum Stöbern und Fachsimpeln eingeladen.

Kontakt: wachsenlassen@web.de


Schönheit (III) und Garten – November 2021

November in der großen Stadt, grau, dunkel, trübe und der immer noch ansteigende Autoverkehr – wollten wir nicht damit beginnen, so vieles anders zu machen? – zerrt an Nerven und Nase.

November 2021 in immer noch pandemischen Zeiten, mehr noch, schlimmer als im letzten Jahr.

Die Stadt – Konsum, Geschwindigkeit, aufgewühlte Nerven, Empörung, Neonlicht und doch Grau in Grau; bunt getüpfeltes Laub, Nährwert für unsere Zukunft, wird geräuschvoll weggesaugt, aufgeräumt, weggeräumt.

Leistungsgespräche, Nichtverstehen, Verarmung der Gefühle, Nicht-handeln-können im Angesicht des Klimanotstandes.

Ich gehe in den Garten, es sind noch letzte Pflanzungen vozunehmen, Vorbereitungen für kommende Zeiten und Vorfreude auf das neue Jahr.
Nun ist die richtige Jahreszeit, dies mit Sorgfalt und Bedacht anzugehen, ohne Angst davor, dass die neuen Pflanzungen zu heiss und trocken stehen werden.

“Der Herbst ist immer unsere beste Zeit” sagte einst J.W. von Goethe.

In diesem Jahr fällt mir dazu ein: “wir ernten, was wir säen”, schlimmstenfalls neue Wellen.

Die Tagetes leuchten mir im fahlen Novememberlicht entgegen – welch eine Farbenfreude!

Direkt daneben steht eine Mariendistel in Blüte und hebt sich – zu dieser Jahreszeit?! – in strahlendem Lila vor ihren mit Marias Milch getränkten Blättern ab.

Die Herbstastern, Chrysanthemen und die Blütestände der Sedum-Gewächse sind eh meine liebsten Begleiter im Herbst, aber dass der Acker-Rittersporn seit dem Frühsommer immer noch sein unbeschreibliches Blau, vielleicht nun ein wenig milder als im August, an uns verschenkt, erfüllt mich auch in diesem Jahr mit sprachlosem Erstaunen.

Grauer November?

Nur in unseren verödeten Städten und den totbringenden Monokulturen auf dem Land, in der Natur, so scheint mir, “wird durchgeblüht”.

Aber da bin ich ja nicht die erste, die das entdeckt…

(Und direkt daneben zu dieser Jahreszeit der Rosenkohl, für mich einfach ein Wunder an Schönheit und soo zart und lecker!!!)

Andere scheinen sich darauf einzustellen, beim zunehmend milderen Klima einfach zu überwintern und mehrjährig zu werden, wie es einige Malvengewächse, zu deren Familie ja auch die bei uns meist zweijährige Stockrose Alcea rosae halten.

Die ‘wilden’ machen derweil eh, was sie wollen, wenn man sie nur lässt und ihnen Zeit und Raum zum leben gibt.

Dann schenken sie uns ihre Schönheit mitten im – menschengemachten grauen – November und erleuchten damit unsere Herzen.

Übrigens: Unser Garten liegt mitten in der Stadt. Wir bemühen uns seit 12 Jahren, ihn zu erhalten und wünschen uns mehr solcher Orte!
Für Menschen, Pflanzen und Tiere. Für unser Klima, für ein gesundes Ökosystem.


Weiße Blüten im Mai

Eigentlich an Gehölzrändern beheimatet, breitet sich die Große Sternmiere bei uns wunderbar in unserem naturah gestalteten Staudenbeet aus und steht dort recht sonnig, aber zur heißen Jahreszeit auch gut von hoch wachsenden Stauden beschützt.

Die bis zu 60 cm hoch wachsendes Staude ist übrigens auch essbar, sie rundet z.B. Wildsalate und Quäuterquark geschmacklich ab.

Der ausgepresste Saft der Pflanze wurde früher gegen Augenentzündungen, Husten und Rheuma eingesetzt oder auch zur schnelleren Heilung bei Knochenbrüchen.

Die Große Sternmiere ist eine wichtige Nahrungspflanze für Nachtfalter.

Bei unserem Kerbel bin ich mir nicht sicher, ob es sich um den Echten Kerbel, Anthriscus cerefolium var. trichocarpaoder um die Kulturform, Anthriscus cerefolium var. cerefolium handelt.

Vor Jahren in unserem Garten ausgesät, sät er sich immer wieder zuverlässig an vielen verschiedenen Stellen aus, ich äußerst hübsch anzusehen mit seinen zarten Blättern und Blüten und findet mit seinem würzigem Aroma häufig Verwendung in der Küche.

Dass sich der Gewöhnliche Löwenzahn, Taraxacum sect. Ruderalia mit seinen gelben Blüten hier unter den weißen Blumen befindet, liegt natürlich an seinen wunderhübschen Samenständen mit seinen haarigen Flugschirmchen, die jede*r gerne mal wegpustet.

Der Löwenzahn ist eine sehr wichtige frühblühende Bienenweide, wird aber auch als Nahrungs- und Gemussmittel und in der Medizin verwendet.

Der Bärlauch, Allium ursinum wird bei uns immer zum ersten Frühjahrspesto des Jahres verarbeitet.
Bei ihm lohnt es sich, genau wie beim Waldmeister, Galium odoratum, der einen ähnlichen halbschattig- bis schattigen und feuchtenStandort benötigt, in die Hocke zu gehen, um den Reiz der kleinen weißen Blüten zu erkennen.

Beides sind schöne Bodendecker für die o.g. Bereiche, wobei der Bärlauch nach der Blüte komplett einzieht.

Von der Süßdolde, Myrrhis odorata, die leider viel zu selten bei uns in Gärten zu sehen ist, sind alle Teile essbar, haben einen anisähnliches, süssen Geschmack.

Die Samen werden im Herbst geerntet und ebenfalls zum Würzen verwendet. Diese dekorative Duftpflanze, die bis zu 200 cm hoch werden kann und gerne im halbschattigen Bereich steht, ist zudem eine bedeutende Nektarpflanze für Schmetterlinge, Bienen und Hummeln.

Die weiße Taubnessel, Lamium album, eine vielseitig einsetzbare Heilpflanze, deren jungen Triebe auch schmackhaft und gesund im Wildsalat sind, verfügt über wunderschöne Lippenblüten, die von unterschiedlichsten Bienenarten heiß geliebt werden.

Eine meiner weißen Lieblingsblüten!

Als Gärtnerschreck oder Gärtnertod werden lustigerweise die Milchsterne, bezeichnet und das aufgrund ihrer ausnehmend langen Haltbarkeit in der Vase als Schnitteblume. Milchsternsträuße verkauft man anscheinend nur einmal…(es wird aber auch behauptet, dass diese Bezeichnung daher kommt, dass die weiße Milch seiner Stengel Hautreizugen hervorrufen kann oder weil er sich dort, wo er sich wohl fühlt, sehr stark vermehren kann; wahrscheinlich die näherliegenden Erklärungen.)

In unserem Garten breitet sich seit dem letzten Jahr der, wie ich vermute Ornithogalum montanum, an unterschiedlichen Stellen aus. Wie er Einzug bei uns hielt, vermag ich nicht zu sagen, aber schön, dass er mit seiner langen Blütezeit von April bis Juni bei uns ein Zuhause gefunden hat.


und noch mehr blaue Blumen im Mai

Noch immer erfreut uns die Kronen-Anemone Anemone coronaria mit ihrem tiefen Blau, das im Verlauf der Blüte einen leichten Lila-Farbton animmt.

Auch das Lugenkraut Pulmonaria officinalis blüht – nicht nur zu unserer, sondern auch zur Freude der Wildbienen, die es reichlich besuchen – unermüdlich weiter und steht dabei im reizvollen Farbkontrast zum Laub der benachbarten Mariendiestel Silybum marianum.

Neu hinzugekommen ist die Clematis Alpina, eine robuste frühblühende Clematissorte, die ihre hübschen violettblauen Blüten seit Jahren in unserem Garten zuverlässig ab April zeigt und im Spätsommer meist noch eimal durch eine zweite Blüte überrascht.

Das feuchtigkeitsliebende Kaukasus-Vergißmeinnicht Brunnera macrophylla, ebenfalls ein früher Nahrungsspender für Insekten, verfügt über den tiefsten Blauton von allen Vergißmeinnicht-Arten und erfreut im Jahreverlauf durch sein sich immer mehr entwickelndes herzförmiges Blattwerk, das einen hübschen Bodendecker auch im Halbschatten abgibt.

Neu hinzugekommen ist der Borretsch Borgo officinalis, eine Gewürz- und Heilpflanze. Dieses in der Regel einjährige Gewächs hat in den letzten zwei Jahren begonnen, in unserem Garten zu überwintern.
Sehr dekorativ machen sich seine essbaren Blüten in (Wild-) Salaten.

Die ganze Pflanze schmeckt leicht nach Gurke und symbolisiert passenderweise Fröhlichkeit und Lauterkeit im Denken.

Und dann ist vor einigen Tagen noch der persiche Ehrenpreis Veronica persica dazugekommen.

Oft übersieht man seine kleinen wunderschönen Blüten mit ihrem leuchtenden Blau am Wegesrand.
Wie die meisten Veronika-Sorten verfügt auch er über Heilkräfte ud wird bei Haut- und Stoffwechselbeschwerden eingesetzt.