Für Umweltgerechtigkeit und einen lebenswerten Kiez

Die Initiative Steinmetzkiez steinmetzkiez.org

engagiert sich seit dem Herbst 2018 für mehr Umweltgerechtigkeit, ein gutes nachbarschaftliches Miteinander und insbesondere eine Verkehrsreduzierung ihrer Straße.

Es geht den Mitglieder*innen der Initiative um weniger Umweltbelastungen und Verkehr, mehr Sicherheit und Lebensqualität – für alle, die im Steinmetzkiez leben, arbeiten, lernen oder einfach nur hier entlangspazieren!

Der Weg dahin ist eine Sperrung für den Durchgangsverkehr durch Poller auf Höhe der sich gegenüberliegenden Häuser Nr. 77 und Nr. 5.
Dann kann die Steinmetzstraße nach wie vor von beiden Seiten befahren werden, von der Bülow- und der Kurfürstenstraße. Durch die Poller wird jedoch erreicht, dass neben dem vermehrten Verkehr für die neuen Unternehmen und Geschäfte nicht auch noch der Durchgangsverkehr zunimmt. Radfahrende können die Steinmetzstraße weiter durchfahren, für die Anwohner*innen bleiben genügend Parkplätze erhalten.

Seit März 2022 kooperiert das Team wachsenlassen mit der Initiative Steinmetzkiez und wir engagieren uns nun gemeinsam für einen lebenswerten Kiez in der nördlichen Steinmetzstraße in Berlin Schöneberg!

Am 6.4.2022 haben wir damit begonnen, die Baumscheiben in dem für eine Sperrung des Durchgangsverkehr vorgesehenen Bereiches zu begrünen.

Baumscheiben in der Stadt sind eine Herausforderung für sich.

Es gibt – berechtigterweise! – einige Auflagen von Seiten der zuständigen Grünflächenämter und sie sind, neben der Rücksichtsnahme auf die an ihnen ansässigen Bäume, einem enormen Druck durch die Nutzung unserer Straßen und Gehwege ausgesetzt.

Wer von uns Stadtmenschen empfindet schon diesen, für unsere Bäume viel zu kleinen unversiegelten Versorgungsbereich, als schützenswerte Stadtnatur?

Meist sind es kahle, völlig verfestigte Bodenbereiche, die der Notdurf unserer Stadthunde und der Ansammlung von Zigarettenkippen und anderem Müll dienen und die zudem bei immer weniger und immer häufiger als Starkregen niederkommenden Regenfällen unsere Stadtbäume versorgen sollen.

Können sie nur sehr notdürftig. Dafür sind sie zu klein.


Eine mögliche Lösung:
Mehr Entsiegelung in unseren Städten – heißt auch: größere Baumscheiben, mehr Biodiversität, mehr Lebensräume für Vögel und Insekten!

Wir haben uns dazu entschlossen, die Baumscheiben, die den ‘grünen Korridor’ der angestrebten Verkehrsberuhigung berühren, mit Gründüngungspflanzen auszusäen, um dem beschädigten Boden erst einmal die Möglichkeit zur Heilung zu geben.

Vor der Aussaat ging es erst einmal ums Entmüllen und Säubern. Danach haben wir den Boden vorsichtig aufgeraut und die Gründüngung ausgebracht.

Gründüngungspflanzen haben je nach ihrer Art unterschiedliche bodenverbessernde Eigenschaften und stören den anwohnenden Baum nicht in seinem Wachstum. Sie sind Stickstoffsammler, sorgen für eine tiefe Bodendurchwurzelung, verbessern die Bodengare (das ist in der Landwirtschaft der Idealzustand eines fruchtbaren Bodens) und sind gut für Nützlinge.

Sie erfreuen durch ihre reiche Blüte Menschen, Insekten und Vögel.

Sie sind mehr ein Beitrag zur Biodiversität in der Stadt als eine Pflege der Bäume, wobei sie diese in ihrem Dasein unterstützen, indem sie den Boden vor Auswaschung und Erosion schützen.

Aussaaten auf Baumscheiben im öffentlichen Raum sind noch einmal ein besonderes Wagnis, weil sie über eine lange Zeit (ca. 4 Wochen) im Zeitraum ihres Keimens uns Wachsens sehr verletzlich und unauffällig sind.

Sie werden nicht gesehen (so tritt man/frau gerne auf ihnen herum) und müssen regelmässig gewässert werden.
Wenn sie diesen Zeitraum überlebt haben, erweisen sie sich in der Regel als sehr robust.

Also hoffen wir auch hier auf eine gute Nachbarschaft, um die nächsten Wochen zu überleben!

Aber genau darum geht es ja bei der Steinmetz-Initiative.

Parallel zu den Begrünungen der Baumscheiben freuen wir uns darüber, auch (zuerst einmal) zwei Höfe in der Steinmetzstraße (Nr. 4-5 und Nr. 76-77) mit Einverständnis der zuständigen Hausverwaltung GEWOBAG mit neuem Boden-Leben erfüllen zu dürfen.

Begonnen haben wir in den Höfen Steinmetzstraße 4-5.

Hier finden sich schon einige von Anwohnern liebevoll gestaltete Nischen und die Resonanz einiger Mieter*innen, ihren Hof naturnäher zu kultivieren, war sehr erfreulich.

Da der Boden im Hof sehr verarmt und ausgebrannt ist, haben wir uns auch hier dazu entschlossen, erst einmal mit Gründüngungen zu arbeiten, um Heilung herbei zu führen.

Wir werden schauen, wie sich die Zusmmenarbeit mit der Hausverwaltung und der damit verbundenen Logistik der ‘Grünpflege’ entwickelt, bevor insekten- und vogelfreundliche (und somit menschenfreundliche) Pflanzungen von Gehölzen oder Stauden vorgenommen werden können.

Unsere Städte werden immer mehr verdichtet, trotz des benötigten Wohnraums sollten wir unbedingt darauf achten, Lebensqualität, Orte der Erholung und des Durchatmens für Menschen und Tiere zu erhalten.
Es ist dringend geboten, Biodiversität und Artevielfalt in der Stadt zu fördern, zu erhöhen und zu erhalten.
Was bleibt uns noch außer unseren Hinterhöfen, Baumscheiben, Kleingartenanlagen und Parks?
Immerhin ein großes Potential, das wir sinnvoll nutzen sollten, bevor es zu spät ist.

Orte der Begegnung und des vielfältige Lebens, wir möchten sie in der Steinmetzstraße und hoffentlich auch woanderswo schaffen und/oder erhalten!

Aktuelle Informationen zur Initiative Steinmetzkiez finden sich unter steinmetzkiez.org und wachsenlassen.com.

Wir freuen uns über Mitgestalter*innen in Stadtgärten und im Kiez!


Frühling 2022

Schwer fällt es, in diesen Zeiten von den Freuden des Frühlings zu berichten, sind wir doch ohne Atempause von der Corona-Angst in die Angst vor einem Krieg gefallen.

Wie nur kann es zu einer Heilung auf der Welt kommen?

Der Haselnussstrauch, Corylus avellana ist ein sehr altes Gewächs, schon seit dem Tertiär vor Jahrmillionen ist seine Existenz nachgewiesen, es ist anzunehmen, dass er die Fähigkeit hat, noch die eine oder andere Katastrophe zu überleben.

Die Hasel ist monözisch, d. h. eine Pflanze verfügt über weibliche und männliche Blütenstände.
Was uns allgemein auffällt (und besonders den vielen Menschen, die gegen seine Blütenpollen allergisch sind), sind seine männlichen Blütenstände, die sogenannten Kätzchen, die schon früh ab Februar blühen und somit wichtige Nahrung für früh fliegende Wildbienen sind.

Einen besonderen Reiz haben für mich in jedem Jahr die weiblichen Blüten, winzig klein und leicht zu übersehen, sie bleiben von der Knopse eingeschlossen und nur die purpuroten Narben sind am Rand zu sehen. Hier ist ein aufmerksames Hinschauen angesagt.

Schon seit Jahrtausenden wird die Hasel als Kultur- und Heilpflanze genutzt, auch liefert sie gehaltvolle Nahrung für Menschen und Tiere.

In der Naturheilkunde werden die Kätzchen, die Rinde junger Triebe, die Samen und die Blätter, meist werden diese als Tees zubereitet eingenommen.

Die Listen der heilenden Inhaltsstoffe und deren Eigenschaften sind lang:
ätherische Öle, Eisen, Eiweiße, Flavonoide, Harze, Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Vitamin A und B wirken adstringierend, blutreinigend, blutstillend, schweißtreibend und stoffwechselanregend.

Was aber in schwierigen Zeiten ebenfalls bedeutend ist:

Seit der Zeit der Kelten gilt der Haselstrauch, ebenso wie der Holunder als Schutzstrauch, auch er steht für Frieden und Versöhnung.
Die Germanen umzäunten ihre Thingplätze, wo Verhandlungen stattfanden und Ratsgespräche gehalten wurden, mit geschälten Haselstäben.
Es gibt Vermutungen darüber, dass diese hellen, geschälten Stäbe der Hasel der Ursprung der weißen Fahne sind, welche das Ende einer Kampfhandlung oder Krieges anzeigt.

Wohl denen, der viele Haselnusssträucher in ihren Gärten haben.

Auch der Fenchel, in unserem Garten der Gewürzfenchel, Foeniculum vulgare, ist neben ihren zahlreichen heilenden Eigenschaften eine mächtige Zauberpflanze. Sie bietet ebenfalls Schutz und spendet Segen.

Auch der erste Bärlauch erscheint mit seinem frühlingfrischen Grün und lässt uns nicht nur vom ersten selbstgemachten Pesto des Jahres träumen, sondern wurde von den Kelten in Wales vor der Schlacht verspeist, um gestärkt in den Kampf zu ziehen.
Er soll dazu in der Lage sein, Dämonen und Plagegeister zu vertreiben.
Hoffen wir, dass er in diesem Jahr schnell und zahlreich wächst.

Jahrhunderte alte Geschichten weben sich um unsere Pflanzen und Geschichten schreiben das Leben. Geschichten geben uns Trost, machen Mut, erzählen von den Freuden des Lebens und seinem Leid.

Das Schneeglöckchen, Galanthus mit seinem reinsten Weiß als zuverlässiger Bote dafür, dass der Winter bald vorübergeht, gilt als ein Zeichen für Hoffnung und Ausdauer, ein Zeichen, dass Hindernisse überwunden werden. Es steht für Stärke in schweren Zeiten, für Optimismus und eine Wende hin zum Guten.

So begrüßen wir auch in diesem Jahr – wenn auch zaghafter – den Frühling in unserem Garten, finden Freude und Schönheit und hoffen auf den guten Ausgang einer bösen Geschichte.


Wünsche

Wir wünschen in diesen schwierigen Zeiten harmonische und fröhliche Feiertage, Stunden und Tage des Ausruhens, Nachdenkens, Besinnens und ein wunderschönes spannendes und inspirierendes Jahr 2022, in welchem wir gemeinsam Lebensräume für Menschen und Tiere (wieder-) erschaffen und erhalten und unsere Umwelt als Mitwelt erkennen, genießen und respektieren.

Wenn wir weiter die Natur zerstören, zerstören wir uns selbst, wir haben es (noch) in der Hand, das dürfen wir nicht vergessen, wir sind nicht ohnmächtig, sondern handlungsfähige Meschen!
Wir sind Teil eines großen, wunderbaren Ökosystems und können viel dafür tun, eine lebenswerte Welt in Stadt und Land zu erhalten.

Mehr Biodiversität für die Stadt – unterstützt unsere Petition:

https://www.change.org/VielfaltwachsenlassenBerlin

Wir freuen uns über Spenden!

Gemeinschaftsgarten wachsenlassen

www.betterplace.org/p83319


Pflanzentauschmarkt vor der Grünen Bibliothek

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Witterungsbedingt findet unser Pflanzentauschmarkt am Sa, den 25.9.2021, in der Zeit von 14.00 – 17.00 Uhr auf dem überdachten Terrassenbereich des Familienzentrums Villa Lützow statt. Eingang zum Gelände direkt links neben der Bibliothek Tiergarten-Süd, Lützowstr. 28, 10785 Berlin.

Wir freuen uns auf euch!


Leben und Gärtnern im Klimawandel

Wir haben eine Krise erst einmal eingedämmt, mal schauen, wie es weiter geht.

Wir möchten nicht von einer Krise in die nächste schlittern und doch kam es mir am letzten Wochenende so vor:

Nachdem ich während der letzen 18 Monate wegen der Corona-Pandemie relativ viel Zeit in meiner Wohnung verbracht habe, hatte ich nun das Gefühl, ich bleibe lieber zu Hause, weil die Umwelt so menschenunfreudlich geworden ist.

36 Grad und Trockenheit.

Willkommen im Klimawandel!

Wie gehen wir damit um?

Im Garten: mulchen, mulchen, mulchen, den Boden bedeckt halten, beobachten, wer sich wie mit wem versteht und wer sich gegenseitig unterstützt; Mischkulturen,Waldgarten, Milpabeet, Permakultur…

Weg von der Agrarindustrie!

Wie können wir uns anmaßen, unseren Boden industriell ‘verwalten zu können’?

Gesellschaftlich?

Wie in der Natur: Vielfalt!

Der heftige Hitzeeinbruch hat unseren Pflanzen arg zu schaffen gemacht und wir versuchen, sie – wassersparend – zu unterstützen.

Das Gemüse tut sich in diesem Jahr besonders schwer, erst die lange – immerhin mit Regen – anhaltende Kälte und nun plötzlich: ach, jetzt wachs doch mal und trage Früchte!

Die Erdbeeren, Kirschen, Maulbeeren und Johannisbeeren reifen alle auf einmal und es gibt ein ganz kurzes Erntefenster, bevor alles verdirbt.

Die Früchte sind, ich vermute aufgrund der kurzen Reifezeit, kleiner und früher als im Vorjahr.

Es gibt Überlebenskünstler*innen, die fähig dazu sind, sich auf diese Veränderungen eizustellen, gebietsheimisch, samenfest und auch einige Einwander*innen unter den Pflanzen helfen uns und unserer Natur, eine Balance zu finden.

Und nicht zuletzt:
Die Schöhnheit, die uns bildet und erfreut.


Winterimpressionen im Gemeinschaftsgarten

Wir versuchen zu planen, wir organisieren und denken… und alles ist erschwert durch die Vorsichtsmaßnahmen, denen wir uns aufgrund des Infektiosgeschehens durch die weltweite Virus-Erkrankung Covid-19 unterordnen.

Leben im Lockdown, Hoffung auf Besserung, wie wird es weitergehen?

Wird es uns Menschen gelingen, all die festgefahrenen, komplex miteinander verknüpften Gesellschafts- und Lebenssysteme dahingehend zu verändern, dass wir uns wieder als Teil der Natur empfinden können und gemeinsam mit der Natur werden leben und wirtschaften können?

Und dann ein Geschenk der Natur: Glitzer-Pulver-Schnee!

Wie schön sind Gärten und naturnahe Orte in der Stadt, um hinaus zu gehen und um zu entdecken und um unsere wunden Seelen baumeln zu lassen.

 

Und wir Menschen schaffen in stiller Freude wundersame Formen.


Wir brauchen Eure Unterstützung!

Liebe Freund*innen des Gemeinschaftsgartens und der Natur mitten in der großen Stadt!

Auf www.betterplace.org/p83319 könnt ihr nun direkt für die Weiterführung unserer Arbeit spenden, auf dass wir nach nunmehr fast 10 Jahren der Unsicherheiten und des Prekariats auch in den nächsten Jahren weiterhin aktiv gemeinsam für Natur und Gemeinschaft tatkräftig anpacken können!


Kräuter- und Gartenführung im Gemeinschaftsgarten

Wir laden ein zu einer (Wild-) Kräuter- und Gartenführung in unserem Gemeinschaftsgarten.

Anhand einiger ausgewählter Kräuter und Stauden erfahren wir, wie diese leicht auf Balkon, Terasse oder im Garten zu kultivieren sind, lernen Hilfreiches über ihre Anbaubedingungen, Ernte und Wirkkräfte.
Wir nehmen uns Zeit für eine kleine Gartenführung und sind offen für eure persönlichen Fragen.

Dieses Angebot richtet sich an Einsteiger*innen in der urbanen Kräuterkunde.

Der Spaziergang beinhaltet eine Kräuterspende von Seiten des Gartens zur individuellen Weiterverabreitung, im Gegenzug dafür freuen wir uns über eine Erlebnisspende!

Wann: Do, den 23. Juli 2020, 17.00 – 19.00 Uhr

Wo: Gemeinschaftsgarten wachsenlassen,
Kiez Zentrum Villa Lützow
Lützowstr. 28, 10785 Berlin

Aufgrund der aktuellen Covid-19 Maßnahmen auf unserem Gelände ist die Teilnehmer*innenzahl begrenzt und wir bitten um Anmeldung unter: wachsenlassen@web.de


Hochsommer-Impressionen

Und unser Gemüsegarten beschert uns schon im ersten Jahr nach der Baustelle reiche Ernten:

Radiesschen, Erbsen, Salate, Mangold, Zucchini, Blumenkohl, es reifen die ersten Tomaten, später kommen die Bohnen, die Kürbisse, der Kohl…

 

 


Vitaler Boden für alle!

„In der Natur gibt sich die Erde niemals unbedeckt; warum sollten wir sie dann kahl lassen?“ (Graham Bell in „Der Permakultur-Garten“)

Wir hatten seit dem Spätsommer letzten Jahres die Aufgabe, den ausgelaugten Boden, der lange nackt dagelegen und von schwerem Gefährt platt gedrückt war, wiederzubeleben. Neben den Strapazen durch die Baustelle, litt der Boden auch unter der langanhaltenden Trockenheit.

Also begannen wir im Herbst letzten Jahres mit der Revitalisierung der Erde. Zunächst säten wir bestimmte Pflanzen aus, um den Boden gut über den Winter zu bringen. Dazu nutzten wir Inkarnatklee, der uns noch mit seiner Schönheit überraschen sollte, und eine Mischung aus Winterroggen und Winterwicke. So war unser Boden bis zum Frühjahr bewachsen und gegen weitere Austrocknung geschützt.

Aussaat im Herbst
Im Frühling haben wir Schrittweise mit der Bearbeitung unserer Vier-Felder-Wirtschaft begonnen.

In den letzten Wochen erfreuten wir uns nun an dem purpurroten Blütenstand des hochgewachsenen Klees und ließen ihn als Insektenweide stehen. Jetzt folgte Teil Zwei der Bodenwiederbelebung. Mithilfe tatkräftiger Freiwilliger, die sich freuten, die Zeit der Corona-Schutzmaßnahmen auf diese Weise zu überbrücken, begannen wir den Boden für die Anbauphase vorzubereiten. Dazu wollten wir die Superkräfte unserer Pflanzen nutzen. Denn beide gelten als Gründünger-Pflanzen, also als lebendiger Dünger. Inkarnatklee und Winterwicke gehören zur Pflanzenfamilie der Leguminosen, welche an ihren Wurzeln eine Lebensgemeinschaft mit Knöllchenbakterien eingeht. Diese Bakterien sorgen für eine erhöhte Stickstoffanreicherung. Daher sind Leguminosen allgemein ein beliebter Gründünger. Der Winterroggen wiederum sorgt durch besonders tiefe Wurzeln für eine Auflockerung des Bodens.

Inkarnatklee eignet sich auch hervorragend für Blumensträuße
Winterroggen und Winterwicke

Diese Pflanzen sind also sehr nutzvolle Freunde, um unseren Boden zu unterstützen. Denn ein vitaler Boden hat eine lockere und krümelige Bodenstruktur und enthält, je nach Anbauplänen, verhältnismäßig viel Stickstoff. Er kannWasser aufnehmen und abfließen lassen und bietet Bakterien, Würmern, Insekten und anderen Klein- und Kleinstlebewesen, die unentbehrlich für eine fruchtbare Erde sind, genügend Sauerstoff und Stickstoff.

Um die Eigenschaften der Pflanzen optimal zu nutzen, schnitten wir unseren Gründünger über dem Boden ab und nutzten den Pflanzenschnitt, um den Boden damit zu bedecken, oder wie man sagt, zu mulchen. Dies ist in der Permakultur eine viel angewendete und effektive Methode. Mulch übernimmt drei wichtige Aufgaben: Er schützt den Boden vor Austrocknung und Erosion, nährt den Boden und kann die Verbreitung unerwünschter Kräuter unterdrücken.

Um unseren Boden optimal für die Bewirtschaftung vorzubereiten, gruben wir die stickstoffreichen, unterirdischen Pflanzenreste des Klees unter, während wir den Boden für die Neusaat auflockerten. Um ihn bis zur Aussaat vor Verdunstung zu schützen, bedeckten wir ihn mit dem Pflanzenschnitt. Wicke und Roggen schnitten wir über dem Boden ab und legten den Pflanzenschnitt an Ort und Stelle auf den Boden, ohne ihn vorher umzugraben. Auf diesem Boden haben wir eine gemütliche Sitzecke eingerichtet. Da der Mulch den Boden auch düngt, indem er verrottet, ist es sinnvoll, die Pflanzen recht kleinteilig zu zerschneiden. Denn umso kleiner sie sind, desto schneller verrotten sie.

In unserem Gemeinschaftsgarten werdet ihr überall Mulch entdecken, wo zurzeit nichts wächst. Wir streuen ihn auch auf die Wege unseres Kräutergartens und sparen uns damit das aufwendige ausrupfen unerwünschter Kräuter, die durch den Mulch garnicht erst wachsen oder eingehen und selber zu Humus werden.

Unsere Jungpflanzen freuen sich über die schützende Mulchdecke
Unsere neue Sitzecke

In der Permakultur ist es jedoch das Ziel, überall lebendige und nützliche Bodenbedeckung zu haben. Der Mulch mit „totem“ Material ist also eine Übergangslösung, denn ein lebendig bedeckter Boden bietet einen hohen Nutzen bei wenig Arbeitsaufwand.

Der Prozess des Mulchens mit „totem“ Material hin zu lebendiger Bodenbedeckung lässt sich gut anhand eines Erdbeerbeetes beschreiben: Erdbeeren sind ein hervorragender lebendiger Mulch. Sie breiten sich schnell aus, bedecken den Boden großflächig und man kann ihre Früchte ernten. Um diesen lebendigen Mulch anzulegen, kann man die Erdbeeren in einem mit Stroh gemulchten Beet anpflanzen. Das Stroh wird langsam zu Erde verrotten, während die Erdbeeren wachsen und am Ende die gesamte Fläche bedecken. Nun hat man eine geschützte Erde, einen schmackhaften Ertrag und spart sich Arbeit, die mit unbedeckter Erde betrieben werden muss. So freut sich die Erde, der Mensch und so manch anderes kleines Schleckermaul.

Verlassen wir uns also auf die Weisheit der Natur und bedecken die Böden. Gerade in den letzten Jahren hat der Klimawandel in Berlin zu langen Dürreperioden geführt und Gärtnerinnen und Gärtnern vor Augen geführt, wie wichtig es ist die Feuchtigkeit im Boden zu halten.

Bald könnt ihr euch hoffentlich selbst davon überzeugen, wie unser Gemeinschaftsgarten sich über seine schützende und nährende Mulchdecke freut. Unsere Erdbeeren blühen übrigens auch gerade und warten schon bald darauf, von euch gekostet zu werden.