Besuch bei der Saatgut-AG in Tiergarten-Süd

An jedem dritten Dienstag im Monat um 17.30 Uhr trifft sich die Saatgut-AG im Rahmen des EFRE-Projektes: „Umwelt hautnah-Natur verstehen und erleben“ in der LeihSämerei der Grünen Bibliothek.

Sie ist ein offener Zusammenschluss von Privatpersonen, der LeihSämerei und dem Himmelbeet.
Ihr zentrales Anliegen ist, samenfestes, regionalesn Saatgut zu erhalten, zu verbreiten und das notwendige KnowHow zu erarbeiten.

Die Saatgut-AG befasst sich deshalb in ihren Treffen mit der Praxis und der Theorie des Saatgutrerhaltes:

Saatgut wird geerntet und gereinigt, es wird recherchiert und das Gesammelte sorgfältig beschriftet und in die LeihSämerei eingestellt und/oder für den Eigengebrauch der Teilnehmer*innen verwendet.

Es findet ein reger Erfahrungsaustausch statt, Fachliteratur und aufkommende Fragen zur Theamtik werden besprochen.

Es enstehen immer wieder neue Ideen tur Verwendung des gesammelten Saatgutes, am Nachmittag meines Besuches wurden Mischungen für sogenannte Seat-Bombs hergestellt, denen ich häufig skeptisch gegenüber eingestellt bin, weil deren Mischungen meiner Meinung nach oft eher wahllos zusammengestellt zu sein scheinen.

Daher wurde ich angenehm überrascht, als ich feststellen konnte, dass hier mit Sinn, Fachverstand und Kreativität gehandelt wurde.
Die Saatgut-Mischungen wurden nach Standort und Wasserbedarf zusammengestellt, es wurde berücksichtigt, ob es sich um ein-oder zweijährige Pflanzen oder um Stauden handelte.

Dabei entstanden wunderbar zusammengestellte Mischungen wie zum Beispiel Königskerze, Nelkensorten, Sonnenblume und Pampasgras für sonnige Bereiche oder Nachtkerze, Klette, Salatrauke, Pimpinelle und Zottelwicke für den Halbschatten.
Die Zusammenstellungen werden als Saatgut-Mischungen und/oder in Tonkugeln eingefasst auch in der LeihSämerei angeboten werden.

Also, liebe guerilla-gardeners, da macht die Begrünung an trostlosen Orten (und bitte nicht wahllos in Parkanlagen oder anderen gestalteten Grünflächen auswerfen!) doch wieder Spaß und sorgt für freudige Überraschungen.

Neben der praktischen Saatguterhaltung engagiert sich die Saatgut-AG aber auch in der Umweltbildung, es wird Informationsmaterial zum Saatgutanbau und -erhalt in Form von Plakaten, Flyern usw. hergestellt und immer wieder auch gemeinsame Ausflüge zu saatgutrelevanten Orten wie z.B. regionalen Saatgutzüchtern unternommen.

Außerdem engagieren sich die Mitglieder bei Urbanität & Vielfalt, einem Bundesprogramm zum Erhalt und Nachzüchtungen von bedrohten, gebietsheimischen Pflanzenarten.

Vor der Bibliothek Tiergarten-Süd sind im Rahmen dieser Arbeit unter anderem die Pech- und Karthäusernelke, die Golddistel, das Steppen-Lieschgras und andere bedrohte Pflanzen ausgesät worden.

Das nächste offene Treffen in der Grünen Bibliothek, Bibliothek Tiergarten-Süd, Lützowstr. 27, 10785 Berlin findet am 15. September statt, wer Lust hat, sich zu dieser Thematik einzubringen, ist herzlich eingeladen und kann jederzeit und unverbindlich zu einem der AG-Treffen kommen!

Eine kleine Golddistel, Carlina vulgaris agg.

Mir hat der Nachmittag viel Freude bereitet und ich kann die Saatgut-AG jeder und jedem, die oder der sich in dieser wichtigen und vielschichtigen Arbeit engagieren möchte und dafür einen Ort sucht, wärmstens empfehlen!

Die Arbeit der Saatgut-AG wird gefördert durch:

https://wachsenlassen.files.wordpress.com/2019/11/efre-bist_ii_projekte_logoleiste-2017.jpg


Ein nektarreiches Dach für unsere Insektenwand

und schön aussehen tut es auch noch!

Unsere im letzten Jahr installierte Insektenwand mit Wohnmöglichkeiten in Lehm, Holz und Steinritzen für Wildbienen und andere Insekten hat gestern endlich ihr neues Dach erhalten – diese kleinen und für unser Ökostystem so wichtigen Tiere haben es nämlich auch gerne regengeschützt in ihren Unterkünften.

Über das mit Dachpappe ausgelegte Dach haben wir ein Gitternetz (besser wäre vielleicht noch Maschendraht gewesen, aber den hatten wir nicht mehr vorrätig) gespannt und dieses dann mit Schotter aufgefüllt. So können sich Erde und Wurzeln gut festhalten.

Dann alles einmal gut angiessen (das war auch direkt unser Gewichtstest: hält das Dach dem Gewicht stand?)

Wie immer eine besonders schöne Arbeit: Standorte auswählen und einpflanzen.

Wir haben unterschiedliche Hauswurz- und Sedumarten, die beide zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) gehören, auf das Dach gesetzt.

Crassulaceae lieben einen kargen, trockenen und sonnigen Standort, also ideal zur Dachbegrünung.

Und allein ihr Name (lat: semper= lebend und vivum= lebend) macht diese aussergewöhlichen Geschöpfe doch schon liebenswert.

Bilden die Hauswurze schon mit ihren unzähligen Rosetten- und Farbvariationen einen Augenschmaus, so können sie zusätzlich noch mit ihren wunderschönen Blüten überraschen, die sich meist in der Zeit von Juni bis Juli zeigen, die meist in rosa-rot bis weiss erstrahlen.
Die dazu gepflanzten Sedumarten ergänzen die Farbpalette des bunt blühenden Daches mit ihren Gelbtönen.

Ein nektrarreich gedecktes Dach für die Bewohner der Appartementwand.

Schon in lange vergangenen Zeiten glaubte man, dass der Hauswurz das Dach vor Blitzeinschlag schützen würde, was sicherlich richtig ist, da das begrünte Dach nicht so leicht austrocknen kann, auch heute schätzt man die klimatischen Vorteile von Dachbegrünungen.

Und: Häuser, auf denen Hauswurz wächst, bringen Glück!

Abbildung aus einer Abschrift von Johannes Hartliebs Kräuterbuch, um 1470

Wie so viele Pflanzen und Tiere sind auch einige wild wachsenden Hauswurzarten heute bedroht und stehen unter Naturschutz, also bitte keinesfalls aus der Natur auspflanzen und mit nach Hause nehmen, wenn man mal einem begegnet.

https://de.wikipedia.org/wiki/Hauswurzen

https://www.schamanische-gaertnerei.de/produkt/hauswurz-pflanze


Hochsommer-Impressionen

Und unser Gemüsegarten beschert uns schon im ersten Jahr nach der Baustelle reiche Ernten:

Radiesschen, Erbsen, Salate, Mangold, Zucchini, Blumenkohl, es reifen die ersten Tomaten, später kommen die Bohnen, die Kürbisse, der Kohl…

 

 


Naturbildung

Um es kurz zu fassen:
Ich glaube, Platons Erbe hat es uns nicht leicht gemacht.

Seit Jahrhunderten schon tragen wir ein dualistisches Weltbild mit uns herum und haben spätestens seit Zeiten der Aufklärung und Industrialisierung begonnen zu vergessen, dass wir ein Teil der Natur sind, nicht ihr Gegenüber, ihr Miteinander.

Ich glaube, wir benötigen das konkrete Erfahren von Wechselwirkungen von Mensch und Mitwelt, wie Theoretiker der Naturbildung es ausdrücken.

Indem ich die Natur berühre, bewirke ich etwas.

Der alte Witz vom „Der Mörder ist immer der Gärtner“ hat auch ein Stück Wahrheit. Mit jedem Schritt, den ich durch den Garten gehe, bewirke ich etwas; zertrete vielleicht ein kleines Tier, zerstöre möglicherweise ein unterirdisches Nest, verändere ich Lebensräume.

(Ich hoffe, der Garten verzeiht es mir und ich tröste mich damit, dass ich ihn ja auch pflege.)

Meine Hand wühlt in der Erde, ich säe aus, ich pflanze und ich bekomme dazu im Gegenzug Nahrung oder Schönheit.

Eine Welt des Austausches und der Geschenke.

Unser Salat nach der Aussaat und zur Erntezeit.

Blühfreuden.

Diese Erfahrungen ermöglichen es uns erst, überhaupt etwas über unser ökologisches System auszusagen.

Wenn wir uns in der Natur bewegen, erhalten wir die Möglichkeit, uns unserer eigenen Körper besser bewusst zu werden. Der Gartenraum gibt uns genug Raum, um unsere eigene physische Existenz zu spüren.

Und wir endecken und erfahren das körperliche Dasein anderer Existenzen.

Der Garten rettet uns auch vor romantisierenden Naturvorstellungen und offenbart uns mitunter die Erschwernisse des menschlichen Daseins. Er verlangt uns körperliche Arbeit ab (die durchaus schweisstreibend sein kann) und zeigt uns die Vergänglichkeit, den Kreislauf von Leben und Tod, dem auch wir unterworfen sind.
Wenn wir genau hinschauen, fällt es uns vielleicht leichter, notwendige Handlungen zu vollziehen, um unsere Erde auch noch für nachfolgende menschliche Generationen als lebenswert zu erhalten.

Die Natur ist nicht ein Gegenüber.
Versuchen wir andere Weltanschauungen als rein dualistische, es gibt so viel mehr.

Womit wir wieder bei Platon angelangt sind.

 

Wir sind ein Teil der Natur, sozusagen inklusive.

Inspirationen:

http://autor-andreas-weber.de/index.html


Buchausstellung: Urlaub mal nachhaltig

 

Eine Veranstaltung im Rahmen von: EFRE Projekt „Umwelt hautnah – Natur verstehen und erleben“

In der besonderen Zeit von Covid-19 finden Sie eine Buchausstellung aus dem Bestand der Grünen Bibliothek der Nachbarschaft, Bibliothek Tiergarten-Süd, zum Themenkreis „Nachhaltig leben und reisen“ hier im Lesesaal.

Uns interessiert: Wie verbringen Sie in diesem Jahr Ihre Ferien?

Wenn Sie mögen, schreiben Sie es auf, zeichnen Sie, fotografieren Sie, dichten Sie!

Teilen Sie uns Ihre Werke und Ideen mit und werfen Sie sie in der Bibliothek in den „Grünen Briefkasten“

Vielleicht sehen wir uns zu einer Ausstellung mit Ihren Exponaten im Herbst in diesen Räumen wieder?

Wir würden uns freuen!

Die Bibliothek Tiergarten-Süd befindet sich in der Lützowstr. 27, 10785 Berlin. Weitere Informationen unter:

https://www.berlin.de/stadtbibliothek-mitte/bibliotheken/bibliothek-tiergarten-sued/

Das pdf zur Buchausstellung: Aushang2.Urlaub final


Der Baum

Einst hat er unser Baumhaus getragen, dann wurde er von einem Pilz befallen – von welchem eigentlich? das sollte ich einmal in Erfahrung bringen – das Baumhaus musste weichen und er durfte immerhin auf 2,00 Meter stehen bleiben, wie schön, dass er noch teilweise da ist!

Ich empfinde das Absägen eines Baumes als einen schmerzlichen Prozess, der respektvoll durchgeführt werden sollte. Das Absägen bis auf den Stumpf ist an vielen Stellen nicht notwendig und jeder Zentimeter Totholz, der erhalten werden kann, fördert unser Ökosystem und die Artenvielfalt.
Es gibt sicherlich viele Stellen in unserer Stadtlandschaft, an denen 1-Meter-Stehenlassen eines zu fällenden Baumes der Verkehrssicherheit entsprechen würde.

Denn: der tote Baum birgt Leben!

Ich habe mir die fremden Welten, die mich umgeben, nicht ausreichend vorstellen können.
Ich habe die Behausungen von solitär lebenden Wildbienen (und wahrscheinlich auch vielen Käferarten) im vertikal stehenden Totholz sehen und erhalten können.

Was mit verborgen geblieben ist: der Baum war in seinen oberen Abzweigungen von einer Hummelkolonie besiedelt.

Wildbienennester (unseren beliebten, weil so schön pelzig und gemütlich aussehenden Hummeln gehören auch zu den Wildbienen) sind gesetzlich geschützt.

Das nützt den Hummeln natürlich herzlich wenig, wenn niemand ihr Wohnstätte bemerkt.

Es erfüllt mich mit Trauer, dass wir nicht besser hingesehen haben.
Den einsturzgefährderten Baum bis Ende September im Umkreis von 4,5 Metern wegen Verkehrssicherheit abzusperren, wäre uns auch noch gelungen.

Sie fehlen im Garten, die dunklen, schwarbraunen Hummeln, von denen ich immer noch nicht herausbekommen habe, wie sie eigentlich heißen.

Was ist mit ihnen geschehen, was wird mit ihnen geschehen?
Die Brut eines ganzen Jahres wurde vernichtet, gibt es noch eine Königin, die sich hat am Leben erhalten können?

Hofdamen, Sammlerinnen, Drohnen und wie sie auch immer heißen mögen in der Hummelgesellschaft?

Es gibt nicht die Natur und uns – es scheint sehr wahrscheinlich, dass wir alle in einem gemeinsamen, nicht dualistisch aufgebautem, sondern beziehungstechnisch weitverzweigtem Ökosystem leben.

Als sie noch da waren…

 

 

 


Wege in eine zukunftsfähige Wirtschaft

In welcher Welt wollen wir leben? Sollen nach wie vor Corona wieder und weiter Gewinne für wenige auf Kosten von Klima, Natur, Umwelt und Menschen steigen?

Heute um 19.00 Uhr kann man der #BUNDdebatte mit Robert Habeck, Katja Kipping und Norbert Walter-Borjans
live auf dem BUND-youtube-Kanal folgen.

Alle Informationen dazu unter:

https://www.bund.net/ueber-uns/veranstaltungen/bunddebatte/


Stadtgärtnern mit der Natur – Kräuterführung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir laden ein zu einer Wild-und Küchenkräuterführung in unserem Gemeinschaftsgarten.

Anhand einiger ausgewählter Kräuter erfahren wir, wie diese leicht auf Balkon, Terasse oder im Garten zu kultivieren sind, lernen Hilfreiches über ihre Anbaubedingungen, Ernte und Wirkkräfte.
Wir nehmen uns Zeit für eine kleine Gartenführung und sind offen für eure persönlichen Fragen.

Dieses Angebot richtet sich an Einsteiger*innen in der urbanen Kräuterkunde.

Der Spaziergang beinhaltet eine Kräuterspende von Seiten des Gartens zur individuellen Weiterverabreitung, im Gegenzug dafür freuen wir uns über eine Erlebnisspende!

Wann: Do, den 18. Juni 2020, 17.00 – 19.00 Uhr
Wo: Gemeinschaftsgarten wachsenlassen,
Kiez Zentrum Villa Lützow
Lützowstr. 28,
10785 Berlin

Aufgrund der aktuellen Maßnahmen wegen COVID-19 auf unserem Gelände ist dieser Spaziergang auf 5 Teilnehmer*innen beschränkt und wir bitten um Anmeldung unter: wachsenlassen@web.de

Die Info als pdf: Kräuterführung 18.6.


Keine Bienenkiller-Exporte ins EU-Ausland!

Die Pestizidkonzerne Bayer, Syngenta und BASF untergraben bisherige Erfolge zum Schutz der Bienen in der EU — indem sie ihre Gifte einfach in den Rest der Welt exportieren.

Informationen dazu und eine Petition zum Unterschreiben mit dem Aufruf an Bayer, Syngenta und BASF, die Produktion und den Verkauf von verbotenen Pestiziden ins Ausland  zu stoppen finden sich unter:

https://actions.sumofus.org/pages/bienenkiller-exporte?akid=74465.9965269.6qxQcN&rd=1&source=fwd&t=6

 


Falsche Konjunkturprogramme erhöhen das Risiko weiterer Pandemien

Hier der Hinweis auf einen aktuellen und wichtigen Artikel beim BUND:

Spätestens seit Mitte März ist die Covid-19 Pandemie das bestimmende Thema in den Medien. In den vergangenen Wochen hat sich die Debatte von notwendigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie jedoch mehr und mehr auf die schrittweise Lockerung dieser Maßnahmen verschoben und damit auch auf die Frage, wie die Wirtschaft wieder angefahren werden kann. Die bisherigen Vorhaben der Bundesregierung gehen jedoch in die völlig falsche Richtung.

weiterlesen unter: https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/falsche-konjunkturprogramme-erhoehen-das-risiko-weiterer-pandemien/