Wie es begann

2010

Ein Garten sollte es also sein, mitten in der Stadt.

Müde von der Arbeit in Schulen und am Schreibtisch, zog es mich ins Freie, bewegen wollte ich mich.
Gemeinsam mit Regine bewarb ich mich darum, ein Gartenprojekt im Familiemgarten Kluckstr. in Berlin, Tiergarten-Süd zu beginnen.

Eine ehemals öffentliche Grünfläche, mehr Hundeauslauf- als Erholungsgebiet, die dem neu entstehenden Familiengarten zugeordnet wurde.

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Hier wollten wir einen Garten schaffen, für alle, die daran teilhaben wollten für,so nannten wir es: Menschen ab dem Kindergartenalter.

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Mit wie viel Enthusiasmus gingen wir an die Arbeit!
Man vergisst so leicht.

Seit Anfang an dabei sind Kinder und Erzieherinnen der deutsch-französischen Eikita Cocorico et Co und der Tagesgroßpflegestelle Anezolia.

Gemeinsam mit ihnen schufen wir die Grundlage des Gemeinschaftsgartens wachsenlassen.

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Warum einen Garten?
Ich frage es mich immer wieder und die vielfältigen Antworten, die mir dazu einfallen, treffen alle zu und doch scheinen sie nicht den Kern meines Wunsches zu benennen, warum ich einen Garten mitten in der Stadt erschaffen wollte und erhalten will.

Warum einen Gemeinschaftsgarten?
Noch schwieriger.

(Wo doch fast jeder Gärtner dazu neigt, eifersüchtig über seine -ja, seine!- zarten Pflänzchen zu wachen und der Meinung zu sein, niemand außer ihm selbst kann sie wirklich behüten)

Oder vielleicht sehr einfach:
Entdecken, erleben, sich wohl fühlen, arbeiten (ja, sinnvoll arbeiten!), hegen, pflegen, Verantwortung übernehmen, teilen, Aufmerksamkeit. Faul sein, genießen, riechen, schmecken. Sich bewegen.
Und das alles gemeinsam. Und auch mal jeder für sich allein.

Achtung.
Vor dem Leben. Vor unserer Erde, die uns nährt.

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Nachhaltiges Wirtschaften.
Damit auch die, die nach uns kommen, noch entdecken können.


Sommergruß

Seit wir unseren Garten haben und ich zum ersten Mal eigene Tomaten angebaut habe (im ersten Jahr noch ‚irgendwo’ gekaufte junge Pflanzen, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe), sind sie mir eine liebe Gesellschaft geworden.
Ich wusste gar nicht, dass ich so gerne Tomaten esse! (Auch wenn ich seit dem Eigenanbau einen immer größer werdenden Bogen um das Tomatenangebot im Supermarkt mache).

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Und der alljährliche Dschungel in unserem Kräutergarten gefällt mir ebenfalls.

Viele Gärtner klagen darüber, wie arbeitsintensiv  und empfindlich die Paradeiser sind, sogar  – und ganz besonders – gegen Regen!
Was für ein unrühmliches Verhalten – und so etwas in freier Natur!

Also baut man ihnen Dächer und ganze Häuser, ich vermute, die Gartenbaumärkte verdienen gut mit dem geschaffenen Überangebot an Tomatenschutzhütten- und hüllen.

Als  – Gott sei Dank – naiver und uninformierter Tomatenneuling bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass so etwas nötig sein könnte und nun, nachdem ich seit vier Sommern in Eintracht mit unseren Tomaten lebe, glaube ich auch zuversichtlich, dass es so etwas nicht braucht.

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Vielleicht haben wir einfach nur Glück mit unserem Standort, sonnig und gut durchlüftet.

Noch  mehr glaube ich allerdings, dass es an den angebauten Sorten liegt, kräftige, robuste und standortangepasste Pflanzen, die nicht sehr große, dafür aber sehr schmackhafte Früchte tragen.
Auf jeden Fall bereiten uns unsere Tomaten schon seit langem sehr viele Freude und Genuss.

Eine besondere Entdeckung war für mich in diesem Jahr die Golden Current.

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Diese Wildtomate, auch Johannisbeer-Tomate genannt ist eine sehr robuste und pflegeleichte Pflanze.
Besonders in den ersten Monaten (spätes Frühjahr) wurde sie regelmäßig mit Brennesseljauche  gedüngt, diese nicht unbedingt wohlriechende Brühe hat  ihr anscheinend bestens geschmeckt und bestimmt zu ihrem Wohlbefinden beigetragen.

Die Golden Current  braucht viel Platz, da sie einen starken Wuchs hat und sie muss nicht ausgegeizt werden, sollte aber an einem Spalier gezogen werden. (Wuchs bis ca. 2m)
Und nach unserem ersten jahr gleube ich, ein bißchen ausgeizen kann nicht schaden und erleichtert die Ernte.
Dieses Jahr habe ich sie an einem offenen, ca. 1m hohen Maschendrahtzaun gezogen, was sich als eine zu geringe Höhe erwiesen hat und so überlege ich mir, im nächsten Jahr ein schönes Spalier für sie zu bauen, vielleicht in einer besonders gestalteten Form oder sogar zum ‚Drunter-Durchlaufen’?
Sozusagen ein Ernte-Tunnel.

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Die Golden Current liebt einen offenen, sonnigen Standort und liefert einen enorm hohen Ertrag an täglich frischen Tomaten, die Erntezeit hat bei uns von Anfang Juli bis Ende Oktober, eigentlich sogar bis Anfang November gedauert, selbst zu dieser Jahreszeit hat man immer noch ein, zwei Tomaten gefunden, die geschmeckt haben!

Die kleinen, spritzig wohlschmeckenden gelben Früchte haben einen hohen Säuregehalt und schmecken dadurch sehr erfrischend.

Unsere Golden Currents haben  dem vielen Regen in den letzten Sommerwochen 2013 sehr gut standgehalten. In unserem Stadtgarten sind sie sehr gut anzubauen.
Ohne Dach und Hülle!

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Etwas enttäuscht war ich von ihrer roten Schwester, der Red Current, diese hat bei uns ein sehr undurchdringliches Dickicht gebildet, in welchem man die sehr kleinen (aber zur Dekoration sehr witzigen) Früchte nur mühsam ernten konnte.
Zumindest die Kinder fanden die Mini-Tomaten-Suche recht lustig.

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Die Großen erfreuen sich gemeinsam mit ihnen an der Tomaten-Viefalt in unserem Stadtgarten!
Übrigens:
Die Idee, Golden Current anzubauen, zu beobachten, wie sie an unserem Standort gedeiht und eigenes Saatgut zu vermehren, ist entstanden in Zusammenarbeit mit http://www.social-seeds.net

Danke, Alexandra und Gunilla, auch wenn wir immer viel zu wenig Zeit für euch finden!


Der gemeinsame Garten

Am 11. November feiern wir den Martinstag, wohl nicht so sehr, weil wir alle noch so bibelkundig sind und wissen, wer der heilige Martin war, sondern wohl eher, weil es so schön ist, gemeinsam mit unseren Laternen zu gehen und zu singen.

Wir haben dazu unseren Garten geschmückt und ja, wir gedenken mit den Kindern auch ein wenig der Legende, nach der Bischof Martin seinen Mantel mit dem Bettler geteilt hat.

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Es ist November und kühl und früh dunkel ist es in der Stadt und wenn wir gemeinsam bei Stockbrot und Kürbissuppe am wärmenden Lagerfeuer sitzen, freuen wir uns, dass jeder etwas abbekommt und wir die selbstgeernteten Kürbisse aus unserem Garten (lecker!) mit den anderen teilen können.

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Im Garten feiert übrigens momentan die Physalis alkekengi, die sich bei uns sichtlich wohl fühlt, ihr eigenes Lampionfest. Die Physalis alkekengi gedeiht auch im Halbschatten und mag es, wenn der Boden leicht kalkhaltig ist.

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Wenn auch nicht essbar wie ihre Schwester Physalis peruviana , die aufgrund ihrer schmackhaften Früchte unter dem deutschen Namen Kapstachelbeere bekannt ist, lieben wir alle sie als monatelangen Herbst- und Winterschmuck für unseren Garten oder nutzen einige ihrer Lampions für dekorative Bastelarbeiten.
Aber Vorsicht bei kleinen Gärten: Dort muss man sie im Zaum halten und ihre zauberhafte Wirkung entfaltet sie am besten, wenn man ihr Platz gibt.

Unsere Physalis peruviana, die wir in diesem Frühjahr zum ersten Mal selbst ausgesät haben, wandert bald in ihr Winterquartier und wir hoffen auf ihre schönen Früchte im nächsten Jahr.

Und ja, obwohl wir uns auch in diesem Jahr dazu entschieden haben, St. Martin und nicht Halloween zu feiern, hat sich in unserem Garten auch noch jemand aus einem anderen Land eingefunden:

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So ist das halt in den interkulturellen Gemeinschaftsgärten…jeder ist willkommen und natürlich besonders, wenn er so dekorativ ist dieser gruselige Geselle!


Ankommen

neuneu-186…und dann kommen die, die bleiben.
Viele kleine Menschen finden den Weg zu uns, wohl gehen sie noch anders um mit ihrer Zeit, haben Zeit zum Entdecken, Staunen, Wundern. Häufig sind es auch die vermeintlich kleinen Dinge, die man findet, die einen innehalten lassen und die man bestaunen kann.
So dehnt sich die eigene Zeit, breitete sich aus im Raum, der ihr zur Verfügung steht.
Warum schaffen wir einen Garten, was hält uns an, ihn zu pflegen, zu kultivieren?


Ein Garten in der Stadt

Wir haben einen Garten errichtet, mitten in der Großstadt.

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In Zeiten, in denen das urbane Gärtnern blüht, ist es vielleicht müßig, sich zu fragen, warum wir diesen Garten errichten.
Und trotzdem, der Gedanke, diese Frage, lässt mich seit einiger Zeit nicht mehr los.
Es gibt so viele schöne Worte, mit denen beschrieben wird, warum der Mensch die Gärten braucht, aber ich bin mir manchmal nicht mehr sicher, ob der Mensch diese Gärten wirlich sucht.

Die Erde, der Ort ist da und die Menschen eilen vorbei und sind zu beschäftigt, um inne zu halten.

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Manchmal glaube ich nicht mehr daran, dass die Menschen wirklich einen Ort suchen, an dem sie noch Kontakt mit der Erde aufnehmen können, sondern ich habe das Gefühl, dass es ihnen wichtiger ist, sich weiter ablenken zu lassen…

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Manchmal werde ich mutlos und der Idealismus verfliegt, der Traum oder die Vorstellung, etwas an unserem Bewusstsein nur dadurch verändern zu konnen, indem ich einen Garten anlege und ihn pflege.

So komme ich wieder zu dem Thema Zeit und ich frage mich, warum wir uns so wenig Zeit nehmen für das, was uns erden kann, was uns zur Ruhe kommen lassen kann, was uns Klarheit bringen könnte.

Brauchen wir einen Garten mitten in der Stadt?

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Zeit

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Getrieben werden, Zeit für den Garten finden.
Der Garten mitten in der Großstadt.
Ein Raum für die eigene Zeit, ein Ort, um Zeit zu empfinden.
Die Zeit als die Form des inneren Sinnes, des Anschauens unserer selbst und unseres inneren Zustandes.

Jeder Garten bietet uns diesen Raum, vielleicht ein Geschenk der Natur für unsere Mühen, für unsere behutsame Kultivierung?

Die Menschen bleiben stehen, werfen einen kleinen Blick in diesen Raum der Zeit und – eilen weiter…

…und dann gibt es die, die bleiben.
Die, die den Gartenraum erobern und ihn sich aneignen. Sie entdecken, staunen und finden im Raum, den der Garten ihnen bietet. Und die Zeit?
Sie entfaltet sich ebenfalls in diesem Raum und wir verlieren etwas von dem Gehetzt- und Getriebensein, das unser Leben so oft bestimmt.

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