Bau eines Lehmteiches
Veröffentlicht: September 18, 2026 Abgelegt unter: Berliner Stadtatur, Gemeinschaftsgarten, Pflanzen im Garten, Vögel, Insekten und andere Wesen | Tags: Artenvielfalt, Ökologie, Biodiversität, Garten in der Stadt, gemeinsam selbermachen, Gemeinschaftsgarten wachsenlassen, Himmelsteich, Lehmpfütze, Lehmteich, Stadtnaturgarten Hinterlasse einen KommentarHimmelsteich oder Lehmpfütze?
Lange schon hatten wir überlegt, wie wir das Element Wasser in unseren Garten integrieren könnten.
Da wir keine Möglichkeit haben, Regenwasser von Dachrinnen aufzufangen, um es in einen Teich leiten zu können und auch nicht mit einer Folie arbeiten wollten, haben wir uns nach viel Recherche auf das Wagnis Lehmteich eingelassen.
Wobei es sich bei uns eher um einen Tümpel handelt, oder, poetischer ausgedrückt: um einen Himmelsteich.
Ein Tümpel ist ein kleines, stehendes Gewässer, das sich durch eine geringe Wassertiefe und einen oft wechselnden Wasserstand auszeichnet. Im Gegensatz zu Teichen sind Tümpel in der Regel flacher und können sogar zeitweise austrocknen. Tümpel speisen sich häufig nur durch Regenwasser und das erklärt den schönen Namen Himmelsteich: es ist das Wasser, das vom Himmel fällt, das diesen Teich füllt.
Eine Feuchtzone zu schaffen, die zeitweise auch trockenfallen kann, erschien uns als Möglichkeit, einen reizvollen neuen Lebensbereich in unserem Garten zu schaffen, weil gewisse Pflanzen und Tiere auf solche Bereiche spezialisiert sind.
Es gibt einige Pflanzen, die wechselfeuchte Standorte mögen, bei uns stehen jetzt u.a. Blutweiderich, Wasserdost, Sumpf-Wolfsmilch und Sumpfdotterblume in diesem Bereich.
Und feuchter Lehm ist ein äußerst beliebter Matsch bei vielen Insekten. Viele Wildbienen benötigen ihn zum Nestbau, einige von ihnen sind sogar auf dieses Material spezialisiert.
Im November letzten Jahres machten wir uns an die Arbeit.
Nicht einfach war es für uns, eine nicht zu steile Grube auszuheben (was uns auch nicht gelungen ist, um es vorneweg zu sagen) und entsprechende Terassierungen miteinzubauen. Sollte doch das später aufzutragende Lehmgranulat gut halten und eine ausreichend flache Zone für spätere Bepflanzungen und zum leichteren Eintritt von Insekten und anderen Tieren vorhanden sein.
Das Lehmgranultat wurde in mehreren Schichten aufgetragen und zwischendurch immer wieder festgestampft, damit es (hoffentlich) gut das Wasser halten würde.
Dies hat einige Bauzeit in Anspruch genommen, aber rechtzeitig zum Jahresende waren die Grundarbeiten fertig.
Irgendwann waren die Temperaturen dann auch so, dass es dann wirklich keinen Spaß mehr gemacht hat, im Möchte-Gern-Teich zu matschen…
Im Frühjahr 2026 ging es dann endlich weiter.
Nun konnten wir das Lehm-Sandgemisch auftragen, das als Pflanzsubstrat dienen würde und die wunderschöne Gitterkonstruktion zur Absicherung der Wasserstellen wurde geliefert.
Schließlich befindet sich unser Garten auf einem Gelände des Jugendamtes Berlin Mitte und viele Kinder lieben unseren Garten und halten sich oft in ihm auf.
Hier noch einmal vielen Dank an die Metallbaufirma De Nobile für Entwurf und Gestaltung unserer Teichspinne!
Nach der Installation des Gitters ging es ans Bepflanzen und an die Verschönerung mit Steinen und Totholzelementen.
Zu unserer Überraschung und Freude stellten sich zeitig in diesem Jahr viele Insekten an unserer Lehmstelle ein. Wir konnten die rote und die gehörnte Mauerbiene beobachten, die sich Material zu Versiegelung ihrer Niströhren beschafften, gefolgt von Grabwespen und vielen anderen, von uns leider nicht zu identifizierenden Insekten. (falls es eine Entomolgin/ Entomologen unter unserern Lesern gibt: Herzlich willkommen in unserem Garten!!)
In einem größeren Arbeitseinsatz haben wir dann die Kieslieferung zügig bewältigt und es hat sehr viel Spaß gemacht, die Umgebung des Teiches dadurch noch einmal zu verschönern.
Vervollständigt wurde unser Himmelsteich durch einen Steg zur Überquerung und passender Bepflanzung des Umfeldes.
Nun erfeuern wir uns schon seit einigen Monaten an diesem neuen Naturgartenmodul in unserem Garten.
Immer wieder gibt es neue Entdeckungen und wir sind gespannt, wie unser Lehmtümpel sich weiter entwickeln wird.
Bislang hält er gut dicht, wobei die Verdunstungen bei den zeitweise extrem hohen Temperaturen in den Sommermonaten sehr stark sind, aber genau so etwas ist ja auch interessant zu beobachten.
Seit drei Jahren arbeiten wir konsequent daran, unseren Garten in einen Natur-Schaugarten in der Stadt umzuwandeln, um zu zeigen, wie Gärtnern im Klimawandel gelingen kann und was wir alle dazu beitragen können, um die Biodiversität in der Stadt zu fördern und zu erhalten.
Der dramatische Artenschwund und der damit einhergehende Verlust an Biodiversität ist ein Problem, das uns alle angeht.
Das einzig Gute in dieser schwierigen Situation ist: Wir alle können etwas dagegen tun!
Die von uns bisher eingebrachten Naturgartenelemente bieten viele Lebensbereiche für Pflanzen und Tiere. Zusätzlich zu den vorhandenen Elementen wie Totholz, Schattsaum mit regionalen Stauden, Lehmtümpel, vielen einheimischen Wildpflanzen und Gehölzen (da brauchen wir noch mehr!), Kräutergarten mit einheimischen und mediterranen Kräutern und Wildblumenwiese werden wir im September/ Oktober einen Magerstandort als Sandarium installieren.
Und für das nächste Jahr ist der Bau einer Trockenmauer geplant.
Ich danke unseren Mitgärtner*innen, die sich gemeinsam mit uns aktiv im Natur- und Umweltschutz zuverlässig und mit viel Engagement einbringen.
Unser Gemeinschaftsgarten ist nur möglich durch eurer ehrenamtliches Engagement!
Wer bei uns mitmachen möchte, ist herzlich willkommen!
Einfach eine Nachricht an: stadtnatur@wachsenlassen.com
Ebenso einen herzlichen Dank an Ute Stumm, Zukunftslust e.V. für ihre tatkräftige und fachliche Unterstützung!
Wir danken der Postcode Lotterie für die Förderung unserer Arbeit



















