Verantwortung, Freude und Gemeinschaft – Warum wir die (Stadt)-Natur brauchen


Es sind eindeutig schwierige Zeiten – der Corona-Virus zwingt immer noch viele Menschen in die Isolation, Arbeitskräfte fallen aus, viele, vor allem mittelständige Unternehmen geraten in wirtschaftlich schwierige Situationen, viele von uns sind krank, irritiert, verunsichert, Kriege rücken näher, immer mehr Menschen sind auf der Flucht und unser kapitalistisches Wirtschaftssystem hat wenig Mittel oder Ambitionen, sich auf den Klimawandel und seine mit ihm einhergehenden Auswirkungen einzustellen – also immer noch und immer wieder die Frage: wie wollen wir leben?

Lange Tage war es mir nicht möglich, etwas zu sagen oder zu schreiben, ich war sprachlos im faktischen Sinne des Wortes, ohnmächtig und handlungsunfähig.

Als ich in den Garten zurückkehren konnte, spürte ich wieder Berührung, sah Schönheit und empfand Freude. Lebendigkeit und Verantwortung.

Als Teil der Natur haben auch wir unseren Teil an Verantwortung ihr gegenüber und daraus können und sollten wir Freude schöpfen.
Verantwortung ist nicht schwer, wir dürfen uns nur nicht bange machen lassen.

Bei einer eher zufälligen Lektüre entdecke ich den hawaiianischen Begriff Kuleana, ein Wort, für das es in der deutschen Sprache keine Entsprechung gibt. Vielleicht lässt sich Kuleana am beste mit würdevoller Verantwortung übersetzen. Die Maoli auf Hawaii benutzen diesen Begriff, wenn sie über die Verantwortung für unsere Erde sprechen. Nach ihrer Auffassung ist der Mensch zur Verantwortung für den Planeten und seine Mitmenschen geboren. Das ist keine Last, sondern mit Freude verbunden.
Kuleana schließt immer eine Beziehung mit ein und lässt das abendländische Bild der Trennug von Mensch und Natur scheitern.

Es ist die physische Begegnung, die mich bei jedem Eintitt in einen Naturgarten berührt und zu neuem Leben erweckt.
Tiere und Pflanzen erfeuen mich mit ihren Farben und Formen, ihrem Gesang. Ich sehe, rieche, taste, höre, fühle und schmecke.

Habe ich zudem noch die Möglichkeit, eigene Früchte und Gemüse anzubauen, ist die Befriedigung groß: meine Pflege und Fürsorge bewirken etwas und werden zur Selbstfürsorge.
Jeder Mensch, besonders auch in den Städten, sollte einen für ihn zugänglichen, vielfältig gestalteten Naturgarten in seiner Nähe haben.
Energie tanken in Gemeinschaft mit anderen Wesen der Natur. Schönheit wahrnehmen und sich an ihr erfreuen.
Vielleicht erkennen das eines hoffentlich nicht zu fernen Tages auch unsere Stadtplaner*innen und (Bezirks-) Politiker*innen.

Eins der größten Probleme unserer Zeit ist der dramatisch voranschreitende Verlust der Artenvielfalt.

Menschen in den Städten können auch hier würdevolle Verantwortung übernehmen und sich für eine Ökologisierug der Städte einsetzen. Dies funktioniert auch auf kleinsten Flächen wie Baumscheiben oder Balkonkästen, diese können für die Tier- und Pflanzenwelt Trittsteine bilden, auf denen sie voranschreiten-, fliegen und leben können.

Und dann die Gemeinschaft, nicht nur mit den Pflanzen und Tieren, sondern auch mit den Menschen, die bereit sind, mit Freude wieder Verantwortung zu übernehmen.
All die, die Straßenbäume gießen, Gärten anlegen, Blumen für Wildbienen aussäen, Gehölze für Vögel pflanzen, Eichhörnchen füttern und Laubbläser zerschlagen.
Wenn mich an dunklen Tagen die Ohnmacht überfällt, dann denke ich an sie, treffe mich mit ihnen, lege gemeinsam mit ihnen ein neues Beet an.

Fotos: W. Puhlmann und G.Koll



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